Dienstag, 8. Januar 2008
134.-140. Tag (Montag, 31. Dezember 2007 - Sonntag, 6. Januar 2008)
Montag

Um 11 Uhr hatten wir uns mit Paulien (ja genau, die Holländerin und meine ehemalige Istanbuler Zellengenossin), Katharina (auch vom Sprachkurs) und Indie zum Frühstücken getroffen. Leider war der Laden, in dem wir das vor hatten, so dermaßen schweineteuer, dass Ina und ich...

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(hier im Bild)

...uns mit einem Tee bzw. Macchiato begnügten und später bei Simit Sarayı richtig frühstückten. Anschließend sind Indie, Ina und ich nach Sultanahmet gefahren, um den Topkapı Palast zu besichtigen. Meine grandiose Ortskenntnis brachte uns aber nur zu einem Touri-Laden, indem wir anhielten, um Ina einen Schal zu kaufen, den wir dank unserem "Turkish Guide" (ähem, Indie) zum verbilligten Preis bekamen. Indie erwies sich zum wiederholten Male als ziemliche Verräterin, die unseren Besuchsplan sabotierte, indem sie einfach einer anderen Einladung folgte. Wir hingegen ließen uns nicht beirren. Es war dann auch alles sehr schön, vor allem der restaurierte Bereich mit den ganzen religiösen Reliquien, wo der Imam, der die ganze Zeit Koransuren singt, nun nicht mehr in einem Kabuff sitzen muss. Und natürlich ist die Aussicht von da oben immer schön:

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Im Anschluss waren wir Wasserpfeiferauchen. Dabei sahen wir so aus:

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Wie ein osmanischer Pascha. Und genauso dick.

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Danach sind wir dahin gefahren, wo ich Sprachkurs hatte, da es dort in meiner Erinnerung billiges Essen gab. Bis wir das allerdings gefunden hatten, tapsten wir in völliger Dunkelheit durch wie zerbombt aussehende Straßen und hatten auch ein bisschen Angst. Am Ende fanden wir jedoch genau das, was wir wollten: Billiges leckeres Essen. Für 5 Lira hatten wir jeder ein gemüsig-fleischiges Hauptgericht, Reis und Nachtisch. Nach einer weiteren Nachtwanderung einige gefährliche Stufen, nur von Handylicht erhellt, hinunter waren wir wieder auf einigermaßen bekanntem Terrain und fuhren von dort aus ins Hostel, wo wir ein gutes deutsches Vorsaufen zelebrierten und von unseren Hochbetten aus die nervigen Pärchen beim Ausgehfertigmachen beobachteten:

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Gegen 11 waren schließlich auch wir soweit und bewegten uns Richtung Taksim Platz. Nach einigen Umwegen entschlossen wir uns, dort den Jahreswechsel abzuwarten und dann der Dinge zu harren. Keiner hatte so richtig Plan, wie spät es wohl war, aber irgendwann fing das recht sehenswerte Feuerwerk an und da war es wohl 12 Uhr:

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Irgendwann danach sahen wir uns plötzlich mit einer riesigen Fernsehkamera konfrontiert, deren Scheinwerfer auf uns gerichtet waren. Wohl wegen unserer schönen Hüte oder weil wir die einzigen Frauen weit und breit waren. Jedenfalls stammelten wir „Türkiye çok güzel bir ülke!“, „Allemanya!!“ und „Hallo Mama!“ ins Mikro und kicherten ansonsten ziemlich dämlich. Wie wir später erfuhren, lief ein 2-sekündiger Ausschnitt unseres peinlichen Auftritts tatsächlich bei Star TV in den Hauptnachrichten. Meine Ankaraner Erasmusstudenten hatten im Bus ferngesehen und uns dort entdeckt. Na ja, lustig! Ich jedenfalls hatte einen Türken angelabert, weil ich wissen wollte, was die anderen Türken da vorne so singen, was er als Aufforderung verstanden hatte, uns in eine Disko zu schleifen. Hier ein Foto des Missetäters und seiner nicht minder betrunkenen Freunde:

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Unterwegs trafen wir auf einen weiteren Türken mit großem Beschützerinstinkt („You should not go with them, it is dangerous!“), der uns aber im Endeffekt mehr nervte als der erste. Die versprochene Disko war ein ziemlich runtergekommener Laden mit grauenvoller Musik.

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[Hier hat Ina Angst.]

Also verließen wir dieses Loch auf schnellstem Wege wieder, indem wir vorgaben, unsere Jacken abzugeben und dann rannten wie der Teufel. Nur um der nächten Gruppe Türken in die Arme zu laufen. Diese sahen nämlich auf den ersten Blick recht europäisch aus, jedenfalls waren es offenbar Iron Maiden-Fans (nicht unbedingt das Abschreckendste). Jedenfalls schlossen wir uns nun dieser Gruppe an und ließen uns in eine Kneipe mitnehmen, in der türkische Musik, offenbar Schlager aus den 80-ern, lief. War uns so mittel recht, aber immerhin haben sie uns riesige Bierkrüge ausgegeben und mit uns getanzt. Dabei sind folgende Fotos entstanden:

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Jeder mit jedem, ist das nicht fein?

Später waren wir dann noch in einer Bar, in der eine ich weiß nicht mehr wie geartete Metalband aufgetreten ist:

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Jedenfalls war es furchtbar voll und Ina hatte die Schnauze von unseren aufdringlichen Begleitern ebenfalls voll, so dass wir uns recht schnell auf den „Heimweg“ machten. Was mir Sorge bereitet hatte, nämlich das Besteigen meines Hochbettes in betrunkenem Zustand, klappte erstaunlich gut und auch der Schlaf stellte sich schnell ein.

Dienstag

Schweren Kopfes erwachte ich gegen 13 Uhr und begann, meine Sachen zu packen. Es war unsere letzte Nacht im Hostel. Wir wollten noch den Tag in Istanbul verbringen und nachts mit dem Bus nach Ankara fahren. Während unseres Simitfrühstücks wurde mir mal wieder schlecht, doch ich bezwang die Übelkeit und sie kam nicht wieder. Wir fuhren dann rüber nach Eminönü. Im dortigen Untergrund fand ich dieses Stück Kindheit:

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Fast hätte ich mir die Pinguinrutsche gekauft, aber 12 Lira waren mir für soviel Schwachsinn dann doch noch zu viel.

Ich hatte eigentlich den Plan gefasst, mit der Fähre eine Bosporustour zu machen. Leider gab es jedoch keine Fähren, so dass wir uns von einem Tourifänger anquatschen ließen und zu einer Tour auf einem Ausflugsschiff überreden ließen. In der Annahme, es würde gleich losgehen, saßen wir also oben auf unserem Schiff und warteten und warteten. Bestimmt eine Stunde später ging es dann tatsächlich endlich los. Zu dem Zeitpunkt waren wir jedoch bereits steif gefroren, vielleicht merkt man es Ina hier an:

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Trotzdem war es eine sehr schöne Fahrt und der Sonnenuntergang, ach, was schreib ich:

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In der Tram und Metro versprachen wir uns Aufwärmung, während wir zum Otogar fuhren, was ja einige Zeit in Anspruch nimmt. Dort kauften wir uns sensationell günstige Karten nach Ankara (20 Lira), fuhren wieder zurück und setzten uns, auch diesmal auf der Suche nach Wärme, ins billigste Fischrestaurant unter der Galatabrücke. Leider war das so billig, dass es nur 2 Heizstrahler gab und die Plätze darunter waren schon belegt. Pech für uns, die wir unsere Jacken anbehalten mussten. Nach unserem nicht ganz grätenfreien Fischbrötchen machten wir uns auf gen Taksimplatz und vertrieben uns die Zeit auf der Istiklal mit dem Durchstöbern von Accessoiregeschäften und auf der Suche nach Postkarten. Ina fand jedoch keine, die ihr zusagten, dafür jedoch eine CD von Barış Akarsu, der tote und zu Lebzeiten unwahrscheinlich gutaussehende Sänger, dessen Grab Indie und ich damals in Amasra hätten besuchen können. Als wir schließlich genug Zeit totgeschlagen hatten, nahmen wir unser Gepäck und latschten damit runter zur Tram-Haltestelle. Wo wir ein weiteres Mal auf Kris und Pelin stießen. Die hatten wir nämlich schon im Topkapı getroffen. Die Welt ist klein und Istanbul sowieso.
Leider erwischten wir einen Bus von der Sorte "Tropenhaus" und Ina konnte mit ihrem sorgsam auf Englisch zurechtgelegten Satz nichts daran ändern, denn unser Steward konnte nur Türkisch. Nach der Pause wurde es ein wenig besser, viel geschlafen haben wir aber beide nicht. Als wir in Ankara ankamen, war es also NACH dem Schlafen und somit

Mittwoch

Endlich in der Ankaray angekommen, trafen wir zu meinem großen Erstaunen Hannes und seine Freundin, die gerade aus dem Süden wiedergekommen waren. Wie gesagt: Die Welt ist klein und Ankara sowieso.
Bei mir wurden wir von einem recht müden Tayfun empfangen, der mir eröffnete, dass Emre und seine Freundin in meinem Bett lägen. Also frühstückten wir erstmal den mitgebrachten Baumkuchen. Dann musste Tayfun raus und zum Sprachkurs und Emre wechselte samt Freundin das Schlafzimmer, so dass Ina sich in mein Bett legen konnte. Ich folgte ihr eine Stunde später in Indies Bett, die sowieso nicht zu Hause war. Als wir am Nachmittag wieder erwachten, stellten Ina und ich fest, dass wir wohl leider krank geworden seien. Das wurde auch im Verlauf des Abends nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Schließlich stieg mein Fieber in die schwindelerregende Höhe von 39,5°, was mich zu den wunderschönsten Fieberträumen veranlasste und Ina ebenso. Nach dieser tollen Fiebernacht war es

Donnerstag

und uns ging es immer noch ziemlich mies. Abends kamen immerhin Pauline und Hanna vorbei, so dass ich Schlüssel und Laptop wieder hatte. Auf meinem Computer befanden sich netterweise auch gleich einige Filme von Hanna, von denen Ina und ich in den nächsten Tagen einige ansahen. So zum Beispiel am

Freitag,

den wir fast gänzlich filmeguckend im Bett verbrachten. Ina ging es zwar wieder besser, ich hingegen hatte angefangen, ganz furchtbaren Reizhusten zu entwickeln, was mich und meine Umwelt nicht wenig nervte. Trotzdem wollten wir den Tag nicht gänzlich in der Wohnung verbringen und außerdem gab es mal wieder kein Wasser, so dass wir uns dazu entschlossen, uns vom Friseur wenigstens die Haare waschen zu lassen. Der Friseursalon heißt übrigens so:

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Wer Eminem ist, weiß ich nicht, aber vielleicht ist es der 15-jährige Junge, der sich als Friseur ausgibt. Seine Sache machte er jedenfalls ganz gut, vor allem das Föhnen hat er voll drauf:

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So sahen wir am Ende alle drei so gut aus wie noch nie zuvor in unseren Leben. Besonders schön fanden wir auch, dass wir während der Wartezeiten (es gab ja nur den einen Friseur) von dessen Tante mit Nescafé, frischem Börek und warmen Decken versorgt wurden.

So toll gestylt gingen wir anschließend Döner essen und hofften, dabei unsere Frisuren noch nicht gänzlich zu zerstören. Schließlich mussten wir die Kunstwerke noch ablichten:

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Ein Traum an Föhnfrisuren!

Da wir nun schon so einen Mädchentag hinter uns hatten, steigerten wir uns anschließend in eine kleine Barış-Hysterie hinein, hörten seine CD rauf und runter und sahen uns lauter Videos mit ihm an. Hier weint Ina um Barış:

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Total traurig auch: Inas Frisur hält nicht mehr!

Samstag

Trotz eines akuten Rückfalls meinerseits wollte ich Ina doch nicht ganz ohne Mausoleumsbesuch zurück nach Deutschland lassen. Also besuchten wir Atatürks letzte Ruhestätte und die freundlichen Männer am Eingang waren ganz fasziniert davon, dass dies mein vierter Besuch hier sei. Jedenfalls war es so eingeschneit und in der Abendsonne doch noch mal wieder ganz schön. Danach hab ich Ina den Soldatenbasar gezeigt, bevor wir schließlich den Banliyö nach Hause nahmen. Ziemlich fertig bin ich dann direkt ins Bett und zum Essen kaum wieder aufgestanden.

Sonntag

So war ich dann auch heute noch ziemlich fertig, weshalb wir nicht viel, nein eigentlich gar nichts unternommen haben.

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127.-133. Tag (Montag, 24. - Sonntag, 30. Dezember)
Montag

Baumreinholen, Baumschmücken, es besser wissen, Streit mit der kleinen Schwester anfangen... Alles wie immer! Abgesehen davon, dass ich mich dieses Jahr nicht wie sonst immer dem Kirchgang verweigern konnte. Schließlich hatten wir Besuch und dem musste heile Welt vorgespielt werden. Also ließ ich das ganze Gebimmel, Geblase und Gelaber über mich ergehen und auch das anschließende Händeschütteln mit Leuten, die ich wohl kennen sollte. Bei der anschließenden Bescherung bekam dann jeder, was er wollte. Ich bekam hauptsächlich Geld, was ja auch eine schöne Sache ist. Außerdem noch viel Praktisches, wie einen Pullover, viele Socken und einen Kugelschreiber. Wie jedes Jahr war es schön, meine kleine Schwester bei ihrer Begeisterung für Playmobil und der daraus folgenden Ignoranz für alle anderen Geschenke zu beobachten. Auch dem anschließenden Sekttrinken und Schichtsalatessen blieb das rebellische Kind fern. Bis der Hunger sie dann doch an den Tisch trieb. Wie jedes Jahr gab es dann noch Weihnachten bei Hoppenstedts und mehr Sekt. Leider wurde mir verboten, bis "Critters" (um viertel vor 4) aufzubleiben, denn schließlich wolle man ja auch was von mir haben, jetzt wo ich schon mal da sei. Also ging ich schlafen.

Dienstag

Hum.. Ich will nicht sagen Langeweile.. Jedoch eine gewisse Gleichmut stellt sich Zuhause dann doch immer ein. Also bin ich mit spazieren gegangen. Schön "an der Sieg lang", wie man zu sagen pflegt.
Glücklicherweise kam zum Mittagessen Holger, der mir die Familienidylle zu ertragen half. Allerdings war er mir immer dann keine große Hilfe, wenn er mich bei meinem Lieblingsspiel Halma zur Weißglut brachte, indem er für jeden Zug mehrere Minuten benötigte. Viel lustiger waren da die zwei Partien Scrabble, von denen eine an mich und eine an ihn, keine jedoch an meine Mutter ging. Hätten wir "Todeslos" doch nicht gelten lassen sollen?

Mittwoch

Um 11 wollten wir los, um halb 12 haben wir es geschafft. Und wir waren gut! Ohne Navigationsgerät sind wir nicht nur richtig gefahren, sondern auch geschickt um einen Stau herum. Holger musste arbeiten, aber nicht lange, denn um 6 waren wir ja schon wieder bei seinen Eltern eingeladen. Dank meiner Türkeifotos und der grandiosen Idee, Kniffel zu spielen, war auch diese Angelegenheit eine recht kurzweilige. Obwohl ich sehr zu meiner Betrübnis das erste Mal mit dem in bestimmten Kreisen sehr beliebten Liedmaterial mit dem Titel "Finger im Po, Mexiko" (Mickie Krause heißt der Verbrecher, brecht ihm alle Knochen!!!) in Berührung kam. Bevor ihr nun in allzu große Besorgnisstürme ausbrecht: Meine Ohren haben sich von dieser Vergewaltigung wieder ganz gut erholt.

Donnerstag

Holger musste leider wieder arbeiten, so dass ich mich bei Aldi vergnügen konnte. Schließlich hatte ich vor, meinen leeren Rucksack mit Lebensmitteln zu füllen! Außerdem hab ich Nina in Düsseldorf abgeholt, denn wir hatten Großes vor. Nach einigen zugtechnischen Verwicklungen kamen wir bei Holger an und begannen uns mit allerlei Nervengiften zu betäuben, als da wären: Bier, Sekt, Bochumer Tinte. Später in der Zeche kam für Nina und mich dann noch eine recht ansehnliche Menge Wodka-Lemon hinzu, was das ganze zu einem sehr schönen Abend machte. Nicht zuletzt deshalb, weil der liebe DJ nicht nur einmal, sondern gleich zweimal TOOL spielte. Ich mochte ihn küssen!

Gegen 5 Uhr machten wir uns auf den schwankenden Rückweg, welcher uns jedoch sicher in unsere jeweiligen Betten führte.

Freitag

Autsch! Kopfschmerz, Übelkeit und so. Ich bin so alt! Es ging dann wieder, nachdem Nina mich dazu gezwungen hatte, Frühstück zu essen. Anschließend verbrachten wir Nina zum Bahnhof und wir selbst den Rest des Abends mit dem Genuss des Fernsehprogramms. War ja schließlich unser letzter selbiger auf damals noch unbestimmte Zeit. Außerdem war ja große Nicole Kidman-Nacht mit tollen Filmen aus den 80-ern. Die haben wir dann geguckt bis 3 Uhr nachts, wo es dann wirklich Zeit zum Schlafen war. Schließlich mussten wir ja um...

Samstag

...6 Uhr wieder aufstehen. Vor meiner alten WG haben wir noch Ina eingesammelt und dann zum Flughafen, wo um 10 Uhr unser Flug gehen sollte. Und so musste ich schließlich meinen dritten herzzerreißenden Abschied überstehen. Bald sollte sich mein Abschiedsschmerz jedoch in Wut umwandeln. Denn unserem Flugzeug fehlte ein zur Navigation wichtiges Teil, welches aus München herangeschafft werden musste. Verspätung: 2 Stunden!! Auch die 8 Euro Verzehrgutscheine machten es nicht besser. Für 8 Euro bekommt man: Ein Baguette, ein Marzipancroissant und einen Milchkaffee. Damit im Magen saßen wir um 12 endlich in unserem nunmehr navigierfähigen Flugzeug und hatten einen spaßigen Flug, auf dem ich offenbar schlief:

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Das sind offenbar tatsächlich die Alpen:
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Und das ist das Marmarameer:
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Wir waren schon ziemlich kaputt und dann ist das blöde Havaş nicht gefahren. Das war nämlich wirklich kaputt. "Dauert 1 Stunde, vielleicht 2 Stunden". So nahmen wir den öffentlichen Personennahverkehr, was einer ziemlichen Odyssee gleichkam, an deren Ende wir den Taksimplatz erreichten. Gestärkt durch leckeres Pide war es uns ein - *wahnsinniges Lachen* - Leichtes, unser Gepäck die ganze lange Istiklal-Straße runterzutragen und dann noch in den vierten Stock unseres Hostels. Das hatte lustigerweise in der Decke über dem Klo ein Loch, durch das man die Sterne hätte bewundern können. Unsere Mitbewohner bestanden größtenteils aus Pärchen, was ziemlich ätzend war. Das einzig wirklich Gute an unserer Unterkunft war die Aussicht:

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Denn so nah am Galataturm haben wir gewohnt!

An diesem Abend schleppte ich die todmüde Ina noch mit zu Coffee World, wo wir unpassenderweise jeder ein Eis aßen. Wieder oben am Taksim Square trafen wir auf Outi. Jedoch konnte nichts und niemand Ina davon überzeugen, noch irgendwas zu unternehmen an diesem Samstagabend. Also gingen wir einfach nur schlafen.

Sonntag

Frühstück war überraschenderweise ganz ok. Da Ina lieber schlafen wollte, suchten wir ihr simitiges Frühstück unterwegs. Wir fanden welches in Sultanahmet, wo wir zuerst die Blaue Moschee (nach stundenlanger Warterei wegen Mittagsgebet) und dann die Hagia Sophia besichtigten. Dort entdeckte Ina der folgende:

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Anschließend tranken wir einen Tee im Gülhane-Park, wobei Ina folgendermaßen aussah:

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Anschließend nahmen wir die Fähre.

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Neben der Fähre flogen Vögel und auf diesem Bild sieht es so aus, als ob einer davon stirbt.

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Nicht so wir.

Die Fähre brachte uns nach Kadiköy, wo ich mir billiges Essen erhofft hatte. Was wir fanden, war Kumpir für 5 Lira, was wirklich billig ist. Leider fand Ina bei dieser Gelegenheit heraus, dass sie Kumpir ganz scheußlich findet. Das tat mir leid, war aber nicht mehr zu ändern. Später trafen wir dort noch auf Outi, mit der wir einen Starbucks-Kaffee tranken und über Silvester beratschlagten. Sie selbst wollte auf eine 55YTL-Party, auf die wir nicht sehr scharf waren. Wie alle anderen warnte auch sie uns vor dem Taksimplatz und wie jedes Mal, wenn wir das hörten, hielten wir es für Humbug. Später nahmen wir die letzte Fähre auf die europäische Seite und trafen dort Indie, die wiederum vorher unsere alten Bekannten Uğur und Serdar und wie sie alle heißen getroffen hatte. Leider musste Indie bald von dannen ziehen, um ihre letzte Fähre zu erwischen. Wir hingegen blieben noch auf zwei Bierchen und diskutierten Inas Liebesleben. Am Ende war ich etwas enttäuscht, das wir unsere Rechnung (die nicht unerheblich war) selbst zu begleichen hatten. Das sind keine richtigen Türken!

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120.-126. Tag (Montag, 17. - Sonntag, 23. Dezember)
Montag - Mittwoch

Der Anfang dieser Woche zeichnete sich laut meinen Erinnerungen hauptsächlich durch Warten aus. Auf Donnerstag hab ich gewartet, denn an dem Tag durfte ich endlich aus der blöden ollen Türkei zurück in mein geliebtes Heimatland. Aber erstmal musste ich natürlich nach Istanbul, mal wieder mit dem Nachtbus. Es war mal wieder so ätzend, wie das meistens ist. Der Steward mochte mich nicht und der Busfahrer offensichtlich auch nicht, denn er hat während der Pause einfach den Bus woanders hingeparkt, so dass ich total verpennt ziemliche Panik bekommen hab. Hab ihn dann aber wieder gefunden.

Donnerstag

Morgens um 7 kam ich am Otogar an und machte mich auf den Weg nach Sirkeci, wo ich mich mit Outi zum Frühstücken verabredet hatte. Erfreulicherweise hatten sie wegen Bayram (es war ja Opferfest) die Preise für Fahrchips verbilligt. Auch anderweitig war man aufgrund der Festtage großzügig aufgelegt, so dass ich in dem Hotel, wo Outi mit ihrer Mutter residierte, das Frühstück gratis bekam. Zum Dank hab ich den beiden ihren Fernseher "repariert" (Stecker raus und wieder rein). Da wir uns nicht wirklich auf einen Plan einigen konnten, hingen wir einfach weiter im Hotel rum, bis es Zeit für mich war zu gehen. Im Havaş zum Flughafen traf ich eine deutsche Erasmusstudentin und am Flughafen noch 2 weitere. War nett, weil der Flug Verspätung hatte, mehr aber auch wirklich nicht. Eigentlich wollte ich ja auch wirklich nur nach Hause und zu Holger. Hach und was war das Wiedersehen schön! So schön, dass wir uns erstmal verfahren haben. Dann sind wir aber zielstrebig kurz bei meiner alten WG vorbei (alles neu, aber nicht unbedingt schön) und nach Bochum, in den Akropolis Grill, ne ordentliche Currywurst mit Pommes reinfegen! Boaaaaaaaaaaaaaaaaahhh, war das lecker! Ich war im Paradies, im Himmel, im....Schweinefleischmekka! Und weil Schweinefleisch so toll ist, hab ich anschließend im Supermarkt auch ziemlich viel Schinken gekauft. Auch sonst bin ich debil glücklich grinsend durch die Gänge geschwebt und hab mich an den Produkten erfreut. Schwarzbrot! Joghurt! Käse! ....

Freitag

Weihnachtsmarkt! SO schön! Holger musste arbeiten, so dass ich Zeit in der großartigen Bochumer Innenstadt verbringen konnte. Großartig schon mal deshalb weil Fußgängerzone. Das war ich ja gar nicht mehr gewöhnt.. Tolle Erfindung aber!
Abends sind wir dann noch mal auf den Weihnachtsmarkt um Glühwein und Lumumba mit seinen Kumpels zu saufen. Und natürlich Reibeplätzchen essen! JARRR!

Samstag

Während Holger wieder arbeiten war, hab ich in Joanas neuem Heim zusammen mit Thomas und Meryam tolle Plätzchen gebacken. Also eigentlich haben Joana und Meryam gebacken, während Thomas und ich im Weg standen, Tee tranken und die gute alte Zeit heraufbeschwörten. Dafür haben wir toll verziert! Und sehr gut haben wir auch Glühwein getrunken. Aber schön war es wirklich. Wie in alten Zeiten. Wird DAS erst fein, wenn ich im Januar wieder richtig da bin! Dann rocken wir das Ruhrgebiet!

Sonntag..

.. bin ich zu meinen Eltern gefahren. Da gab es Goulasch, Katzen (was beides nichts miteinander zu tun hatte), ne kleine Schwester, 2 Chinesinnen zu Besuch (nett) und überhaupt ganz viel Zuhause. *seufz*

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Samstag, 15. Dezember 2007
113.-119. Tag (Montag, 10. - Sonntag, 16. Dezember)
Mensch Kinners is das lang her. In meinem Kalender steht nichts (bis auf zwei Midterms) und auch in meinen Erinnerungen vermag ich keine Informationen über diese Woche zu finden. Ist dann wohl auch nichts...passiert...

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106.-112. Tag (Montag, 3. - Sonntag, 9. Dezember)
Dienstag

Heute hab ich die besten Mantı gegessen wo gibt! MOOOOA! Yummie!

Freitag

Hab Outi am Otogar abgeholt. Die war leider durchs Busfahren erkrankt, weshalb wir schlafen gingen.

Samstag

Ein weiterer wunderbarer Besuch im Anıtkabir vermochte meine Begeisterung für Atatürk noch mehr zu steigern. Ich werde mit Freude immer wieder gern herkommen!

Beim anschließenden Besuch in der so lustig heißenden "Ankamall" kauften wir eine Packung Kunstblut:

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Neiiiiiin, das ist natürlich Haarfarbe, harrharrmurrharrharr!

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Weil ich nun schon einmal so gut aussah, kam folgendes wie gerufen:

Wayne's World! Wayne's World! Party Time! Excellent!

Schöne Party, viel Baklava, niemand hat Indies großartige Deko bemerkt, es wurde geknutscht, es wurde getanzt, die Polizei kam (wahrscheinlich eher wegen des Tanzens als wegen des Knutschens, wir sind ja hier nicht in Ägypten) und ging wieder, ich ging und kam wieder und am Ende war die Sauerei groß. Die Typen, die sich als unsere Nachbarn von oben ausgegeben haben, hab ich persönlich noch nicht wieder gesehen. Können also auch Landstreicher gewesen sein. Oder die Geheimpolizei.

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Tanzbeweisfoto

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Verdammtvieleleutedabeweisfoto

Sonntag

Ein Sonntag im Zoo! Was kann ich es Schöneres geben? Dachten wir uns auch und fuhren dahin. Leider mussten wir feststellen, dass abgesehen von den Katzen (jawohl, Hauskatzen) und den Schafen kein Tier halbwegs artgerecht untergebracht war. Arme Tiere! Daran konnte auch die Pappmachéoptik nichts ändern:

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Man beachte die verschiedenfarbigen Augen!

Weiterhin vegetarisch, Indie und ich aber trotzdem weiterhin ungerührt fleischverzehrend setzten wir uns anschließend in ein unbekanntes Ankaraner Restaurant und aßen Fleisch, bzw. keins.

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99.-105. Tag (Montag, 26. November - Sonntag, 2. Dezember)
Freitag

Totalabsturz in der Gölge Rock Bar mit anschließendem Gratis-Heimtransport durch befreundeten Türken. So mag ich das! Die mit Bleistift auf die Visitenkarte einer Englischsprachschule gekritzelte Telefonnummerdes betrunkenen glatzköpfigen Menschen mit unzureichenden Englischkenntnissen habe ich gewissenhaft in den Papiermüll entsorgt.

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Montag, 3. Dezember 2007
91.-98. Tag (Montag, 19. - Sonntag, 26. November)
Dienstag

Bevor wir gleich zum Highlight der Woche übergehen, wollte ich euch noch kurz von meinem großartigen Midterm erzählen! Großartig deshalb, weil Pauline behauptet, man solle sich über verhauene Prüfungen besonders freuen. Jedenfalls hat Cruella (sie erinnert uns so an Cruella de Ville) erstmal 14 unbeantwortbare Fragen gestellt (und tatsächlich wusste ich auch nur die Antwort auf 10 und bin mir bei 5 davon unsicher) und verlangte dann eine vergleichende Analyse zweier vollkommen unvergleichbarer Romane. Jedenfalls hab ich eine Stunde an meinem Stift gekaut und als mir immer noch nichts eingefallen ist, hab ich meine einseitige (da eine Seite lange) Interpretation abgegeben und wollte weinen.

Samstag

Wie versprochen hier also der Höhepunkt:

Kappadokien - Kapadokya - Cappadocia

Morgens um 7 (boah, voll früh!) bestiegen wir den Bus und waren nach 4 Stunden Fahrt, Dämmerschlaf und Gratis-Gebäck da. Doch kaum waren wir das, mussten wir eine Art Sightseeing-Marathon gewinnen: Je mehr touristisch bemerkenswerte Plätze wir besuchten, desto besser. So hieß es dann den ganzen Tag über von unserer studentischen Reiseleitung: "We are now here in [Name der Sehenswürdigkeit] and you have 10 minutes for pictures!" Viel lieber als 10 Minuten Fotos machen wären wir jedoch in der völlig abstrakten und unfassbaren Marslandschaft herumgelaufen, die sich da vor unseren Augen erstreckte. Diese Felsen muss man anfassen, um zu glauben, dass sie existieren! Aber wir hatten ja ein Programm zu absolvieren. Trotzdem holten wir per einfacherer Verweigerung jedes Mal mindesten 20 Minuten raus. Trotzdem kann ich mich nicht mehr an Reihenfolge oder Namen der von uns besuchten Orte erinnern. Also gibt es jetzt einen bunten Bilderpotpourri des ersten Tages:

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Ich glaube, dieses Tal hieß "Pigeon Valley". Jedenfalls gab es dort weiße Tauben.

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Hier hat ein cleverer türkischer Touristenfänger einen Baum mit Nazar-Amuletten (das sind die gegen den Bösen Blick) vollgehängt.

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Ein Kamel!

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Zum Beweis: Ich war da!

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Zu unserem Nachmittagsprogramm gehörte außerdem der Besuch eines Weinladens (Weinprobe!), wo man den einheimischen Fusel für viel Geld erwerben konnte, was einige dann auch getan haben.

Unser letzter Tagesordnungspunkt war eine Töpferei in Avanos inklusive Vorführung und Selbstversuch. Auch hiervon einige Fotos:

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Das Formen eines riesigen Dildos war dabei übrigens offenbar kaum zu vermeiden.

Anschließend wurden wir dann in die Verkaufsräume geschickt ("50% Rabatt!"). Und - hach! - war das alles schön... Doch teuer, trotz Rabatt.

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Als wir dort hinauskamen, war es dunkel geworden. Trotzdem haben wir sinnloserweise noch an einem Aussichtspunkt angehalten, doch auch hier fehlte der "You can take pictures"-Spruch nicht. MURRHARR!

Im Anschluss checkten wir in unser ***-Hotel mit dem vielversprechenden Namen "Vilton" ein. Im Endeffekt sahen die Zimmer jedoch so aus:

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Wir waren in einem Puff gelandet!

Besondere Aufmerksamkeit widmete ich der äußerst geschmackvollen Dekoration in der Lobby:

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Viel Zeit zum Ausruhen blieb uns nicht, denn es gab ja auch noch das Abendprogramm zu absolvieren, das da bestand aus einem Orientalischen Show-Abend. Was ziemlich genauso seltsam war, wie es sich anhört. Zusammen mit einer großen Gruppe Türken (sah aus wie Betriebsausflug) und einigen Einzelbesuchern wurden wir Zeuge eines kurzweiligen Misch-Masch aus allen möglichen Formen der Abendunterhaltung, die man als Türkeitouri so kennt:

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Derwische,

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Bauchtänzerin (hier mit Stan, boah wie peinlich das war)

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und irgendeiner Volkstanzgruppe.

Das Gute an der ganzen Sache: Für nur 15 Lira konnten wir Freisaufen, was wir exzessiv nutzten und allein deshalb viel Spaß hatten. Zwischendurch durften wir übrigens auch selber tanzen, nachdem die Volkstänzer uns nämlich auf die Tanzfläche gezerrt hatten.

Mit ansteigendem Alkoholpegel wuchs übrigens mein Grauen und Entsetzen. Warum? Weil da dieses mysteriös-unheimliche Loch über unseren Köpfen in der Decke war:

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Da hätte doch alles mögliche rauskommen können!!

Nach einem nicht sehr erfrischenden 6-Stunden-Schlaf ging das Programm glücklicherweise etwas entspannter weiter. Wir besuchten zwei Open-Air-Museen, in denen wir jeweils etwa 1 1/2 Stunden verweilen durften.

Das erste bestand aus einem Tal mit lustigen Felsen und den beeindruckenden Spuren menschlicher Zivilisation:

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Darin rumzuklettern war äußerst spaßig und wahrscheinlich wahnsinnig gefährlich.

Das zweite "Museum" hat mir nicht ganz so gut gefallen, denn dort gab es hauptsächlich Kirchen in Höhlen zu sehen. Deshalb hab ich auch nur ein Foto davon:

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Auch nicht wesentlich beeindruckender war das, was wir danach ansahen und außerdem eine Tortur. Es handelte sich dabei nämlich um ein recht tiefes Höhlensystem mit Stollen, die teilweise vielleicht 1,30m hoch waren, was mir mit meinen 1,78m etwas zu schaffen machte (und den 1,90m-Jungs wahrscheinlich noch mehr). Und obwohl es schon interessant war, besonders wenn man sich vorstellt, dass dort tatsächlich Menschen gewohnt haben, gab es einfach nicht wirklich viel zu sehen.

Mein persönliches Highlight der ganzen Fahrt kam zuallerletzt. Ein Grand Canyon-mäßiges Tal, in das wir hinabgestiegen sind:

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Leider sind wir nur einige hundert Meter den Fluss entlanggewandert, bis zu einer - was auch sonst - weiteren Höhlenkirche. Viel interessanter als diese fand ich persönlich ja die märchenmmäßige Atmosphäre, die dort herrschte.

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Ich finde, es sieht so aus, als käme da gleich ein Troll heraus. Oder ein Ork, Zwerg, vielleicht ein Jedi-Ritter, Ewok oder die böse Hexe. Im Endeffekt war es jedoch nur Indie. Wiewohl man sie eventuell für einen Zwerg hätte halten können.

Ehrlich gesagt gab es aber noch einen anderen Gruind, warum mir diese Schlucht so gut gefallen hat. Ich wage es kaum auszusprechen....Es war eine Katze! Und zwar eines der flauschig-fluschigsten Exemplare, mit dem ich je gekuschelt habe. Und weil sie mich so sehr mochte, ist sie den ganzen Weg bis nach unten neben mir hergelaufen. Das fluffige kleine Ding...HACH!

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Und damit war unser Ausflug zu Ende... Schön war's!

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84.-90. Tag (Montag, 12. - Sonntag, 18. November)
Samstag

Kommen wir gleich zum Highlight der Woche: Der vom International Student's Office organisierte und für uns kostenneutrale Ausflug nach Polatllı. Wem das jetzt nichts sagt: Macht nix, mir sagte es nichts und das tut es auch jetzt nicht unbedingt. Jedenfalls gehört die Polatlı Belediyesi (also die Verwaltungseinheit Polatlı) stadtrechtlich noch zu Ankara und liegt etwa eine Busstunde nordwestlich von selbigem.

1. Teil: Atatürk-Gedächtnis-Trip

Unser erster Stopp war bei einem...nun ja, Haus, in dem Atatürk während des Unabhängigkeitskrieges mal für ein paar Wochen...nun ja, gewohnt hat. Genauso spannend, wie es sich anhört, gestaltete sich auch die Besichtigung. Zu sehen war Atatürks Bett, sein Schreibtisch, sein Morseapparat, sein Esszimmer, sein Wohnzimmer und ja - auch sein Klo. Das sah so aus:

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Zu schade, dass sie den Deckel drauf gemacht haben. Wie gern hätte ich dort gepinkelt, wo auch Atatürk...aber lassen wir das.

Ein schönes Foto gibt es noch von Atatürks orientalischer Ecke:

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Mit vielen neuen Eindrücken ging es weiter zum nächsten "Vater der Türken"-Highlight. Diesmal handelte es sich um eine Gedenkstätte, die uns von dem freundlichen Soldaten (links) auf Türkisch erklärt wurde, was von Pelin (rechts) gedolmetscht wurde:

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Über diese Aufgabe war sie genauso glücklich, wie sie hier aussieht.

Das Denkmal bestand laut unserem Touri-Soldaten aus drei Teilen: einem hässlichen Soldatenstandbild, einem Museum mit "3D-Bildern" (ich kenne sowas ja als "Relief") von Unabhängigkeitskriegsschlachtszenen (türkische Oma hilft beim Kanonennachschub etc.) und einer Treppe, die den Hügel hinunterführt. Rechts und links der Treppe stehen weiße Betonpfeiler, die immer höher werden, je weiter oben man sich befindet.

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Dies zur Illustration.

Wiewohl sich die symbolische Bedeutung des Ganzen eigentlich nur demjenigen erschließt, der die Treppe hinaufsteigt, blieb uns das erspart. So konnten wir allerdings nicht miterleben, wie wir uns aus unzivilisierten osmanischen Tagen aufgeschwungen hätten in die Höhen der türkischen Zivilisation und haben auch nicht die Anstrengung des Treppensteigens symbolisch mit dem Ausfechten eines Unabhängigkeitskampfes in Verbindung gebracht. SCHADE! Doch gelang es mir, dieses wunderbare Ensemble einzufangen:

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Und weiter ging es zum nächsten Hügel, diesmal einem mit erhöhter symbolischer Bedeutung. Denn die Angreifer hatten es geschafft, die Türken bis hierher zurückzudrängen. Doch genau dort, wo nun ein phantasialendesker Plastikatatürk steht, gelang es den türkischen Truppen, das Blatt zu wenden und zurückzuschlagen.

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Ich finde, er und sein Feldmarschall sehen aus, als ob sie hintereinander im Sperrholzbaumstamm einer Wildwasserbahn sitzen und gleich nass werden.

Was ich an den ganzen Hügeln wirklich faszinierend fand, war aber eigentlich die Aussicht. Leider kommt das auf den Fotos nicht so richtig rüber. Und trotzdem:

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2. Teil: Wie spricht man wohl "Phrygier" auf Englisch aus?

Nach einem ausgewogenen Mahl (Pide und Ayran) machten wir uns auf zu einem Dorf mit dem klangvollen Namen Yassıhöyük. Hier hatten 1895 zwei deutsche Brüder das antike Gordion wieder entdeckt und ausgegraben. Das war irgendwann vor vieeeeeelen tausend Jahren (Wikipedia sagt: 8. Jh.v.Chr.) mal die Hauptstadt des Phrygerreiches. Weiterhin könnte man König Midas kennen, der Protagonist vieler Mythen und Legenden ist, aber auch eine historische Persönlichkeit war und in dieser Eigenschaft König der Phryger. Meine Lieblings-Midas-Geschichte ist die, wie er sich in irgendeinem Streit mit den Göttern Eselsohren zugezogen hat. Damit die keiner sah, trug er von da an immer eine Mütze und nur sein Barbier kannte das Geheimnis. Natürlich durfte der es niemandem verraten, konnte es aber auch nicht ganz alleine für sich behalten. Also hat er auf einem Feld ein Loch gegraben und drei mal hineingerufen: "König Midas hat Eselsohren!". Unglücklicherweise hat das Gras mitgehört und es den anderen Binsen verraten. Und so erklang bald auf allen Feldern der Satz "König Midas hat Eselsohren", wenn der Wind durch das Gras strich. Deshalb heißt eine allgemein bekannte Tatsache heute "Binsenweisheit".

Ham' 'wer wieder was gelernt!

Wir jedenfalls haben uns das Museum angesehen, in dem es viele zerbrochene Krüge (wie bei Kleist, MURRHARRHARR!) und dergleichen gab. Außerdem gab es jede Menge Hügelgräber (darunter ein begehbares, welches wahrscheinlich das von König Midas ist) und die Original-Ausgrabungsstätten zu besichtigen:

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Nachdem wir uns noch den Fluss Sakarya angesehen hatten (der nichts Tolles ist; interessant war die Tatsache, dass es in dieser Einöde überhaupt einen Fluss GIBT), ging die Sonne langsam unter und wir wurden in unseren Bussen zurückgekarrt. Damit uns die Fahrt nicht so langweilig wurde, übte der mitfahrende Vizepräsident des Student Councils in sein Fähigkeiten als Animateur und zwang uns dazu, nach Nationalitäten geordnet die "Bühne" in der Mitte des Busses zu betreten und dort ein Lied zu singen. Meinen deutschen Kommilitonen fiel dabei nichts Besseres ein als "Theo spann den Wagen an", ein Volkslied, mit dem ich noch nie konfrontiert wurde, was mich aber zumindest von der Mitsingpflicht befreite. Später wurde dann wieder Orientpop gespielt, was die anwesenden Türken und Armenier in vollendeter Völkerfreundschaft dazu veranlasste, im Gang und an den Stangen (!) zu tanzen.

Sonntag

An diesem Tag bin ich so mutig gewesen, mir Shakespeare auf Türkisch anzusehen. Ich hätte mir vielleicht denken können, dass ich nichts verstehen würde, besonders da es sich um das doch eher unbekannte Stück "Maß für Maß" handelte. Gegen Ende des ersten Aktes war mir so langweilig, dass ich eingeschlafen bin und in der Pause hab ich mich dann verdrückt. Hat ja doch nichts gebracht. Trotzdem war es schön, das Theater mal zu sehen, denn das war richtig hübsch.

Später am Abend hatte sich Indie einige Bilkentmenschen zum Essen eingeladen. Selbiges war köstlich (Indie hat Käsesauce für die Nudeln gemacht:-)) und die Leute nett. Die von mir eingeladenen Hacettepemenschen hatten sämtlich abgesagt. Das betrübte mich nicht wenig:-(

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Montag, 26. November 2007
76.-83. Tag (Montag, 5. - Sonntag, 11. November)
Weil ich in dieser Woche ziemlich krank war und krank sein langweilig ist (zum Erleben interessanter Dinge war ich nicht fähig), habe ich beschlossen, euch ein *Special* (ihr müsst euch das mangels meiner HTML-Kenntnisse in blinkender Leuchtschrift vorstellen) zu kredenzen! Darin werde ich euch einige der vielen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und der Türkei aufzeigen. Das wird ein Spaß!

1. Personifikation von Gebäuden

Fangen wir mit was Harmlosem an: Wohnhäuser haben Namen! Ich zum Beispiel wohne im Murat Apartman, nebenan ist das Barış Apartman (Friedenshaus) und um die Ecke das Şapkacı Apartman (Hutmacherhaus).

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Bei meiner Rückkehr werde ich eine Petition einbringen, diese schöne Gepflogenheit auch in Deutschland einzuführen. Für den grauen Betonklotz in der Dortmunder Ernst-Mehlich-Straße, in dem sich meine WG befindet, werde ich den Namen "Haus der Intoleranz" beantragen.

2. Servicekultur

Das Konzept der Selbstbedienung ist in der Türkei in vielen Bereichen weitgehend unbekannt. Im Supermarkt wiege ich mein Obst und Gemüse nicht selber und im Copy Shop kopieren die Angestellten für mich. Manchmal packt mir jemand meine Einkaufstüte und jeder Supermarkt hat Kleinbusse, die man nutzen kann, um sich nach Hause fahren zu lassen. Im Langstreckenbus werden Getränke im Halbstundentakt verteilt und niemand würde auf die Idee kommen, dafür Geld zu verlangen (auch nicht bei der allerbilligsten Busgesellschaft). Die ganze Sache mit der Servicekultur kann aber auch ganz schön nervige Züge annehmen: Den Satz "Ich will mich nur umsehen" verstehen die meisten Verkäufer nicht, weder in Schreibwarenläden noch in Klamottengeschäften. Meist hängt sich dort jemand an deine Fersen und springt zur Stelle, sollte sich deine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Artikel konzentrieren.

3. Angst vor Terrorismus

Manchmal frage ich mich, ob Metalldetektoren wirklich keine schädliche Wirkung auf meinen Organismus haben. Jedenfalls passiert es mir im Alltag durchschnittlich 2 mal die Woche, dass ich durch einen gehen muss, denn es gibt sie einfach überall: Vor allen Verwaltungsgebäuden, dem Busbahnhof und größeren Shopping Centern. Eng damit zusammen hängt die Tendenz, alles, was nur entfernt wichtig sein könnte, von Soldaten mit Maschinengewehren bewachen zu lassen. Ich meine - HALLO? Ich glaube nicht, dass ich in meinem bisherigen Leben jemals ein Maschinengewehr gesehen habe, geschweige denn eine Hundertschaft von Polizisten mit dem Finger am Abzug. Weniger schwer bewaffnet bewacht werden aber auch andere Institutionen, wie beispielsweise Universitäten. Um auf den Campus zu kommen, braucht man entweder den passenden Studentenausweis oder man muss seinen Ausweis an der Pforte abgeben, was ganz schön zeitraubend und unnötig ist. Was soll ich denn schon auf dem Campus machen? Und inwiefern wird mich die Tatsache, dass ich meinen Perso abgeben musste, daran hindern? Es kostet mich jeden Morgen 3 Minuten meiner kostbaren Zeit, bis der kleine Hilfspolizist durch den vollgepackten Bus gegangen ist und alle Ausweise kontrolliert hat.

4. Öffentlicher Personennahverkehr

Es lebe der deutsche ÖPNV, er lebe drei mal hoch! Denn auch wenn wir uns über Verspätungen aufregen, sollten wir froh sein, dass es überhaupt einen Fahrplan GIBT, von dem es Abweichungen geben kann! Wobei ich jetzt eigentlich lüge, denn es gibt bestimmt Fahrpläne. Bloß, dass diese offenbar strenger Geheimhaltung unterliegen. An den Haltestellen hängen sie jedenfalls (bis auf Ausnahmen, wie z.B. den Vorstadtzug) nicht und im Internet stehen sie auch nicht. In der U-Bahn erfährt man zumindest noch, wie die weiteren Haltestellen heißen, aber beispielsweise auch nicht, wann die letzte Bahn fährt (immer eine interessante Info). GANZ kompliziert wird es dann beim Busfahren. Denn Busse fahren in großer Anzahl von überall nach überall hin. Das Problem ist, herauszufinden, welchen man nun selbst gerade braucht. Das ist insofern schwierig, als es am Haltepunkt höchstens mal ein großes "D" für "Durak" ("Haltestelle") gibt oder, wenn man Glück hat, die Angabe der Busnummern und des Ziels. Nirgendwo ist jedoch jemals zu erfahren, welche Route dieser Bus nimmt und ob zufällig die eigene Destination darunter ist. Jedenfalls nicht bei den Stadtbussen. Denn neben denen gibt es zu allem Überfluss auch noch Busse von privaten Betreibern und natürlich Dolmuşe und bei denen stehen die Zwischenstopps manchmal im Fenster. Jedenfalls frage ich mich, wie man durch dieses System jemals durchblicken kann. Offensichtlich baut es darauf auf, dass irgendwo Menschen in der Nähe sind, die Ahnung haben. Wie überhaupt ein viel größerer Teil des türkischen Alltags auf Kommunikation basiert. Schlecht für denjenigen, der nur wenig Türkisch kann!

5. Verkehrsregeln...

...scheinen nicht immer und für jeden zu gelten. Jedenfalls ist es völlig normal, dass Fahrzeuge auch mal bei rot über eine Kreuzung fahren, wenn sie sich irgendwie in den Verkehr fädeln können. Als Fußgänger hat man so gut wie keine Rechte, da hilft einem auch nicht, wenn man grün hat. Wie oft ich dem Tod durch Verkehrsunfall schon nahe war, vermag ich nicht zu sagen. Da ist es nur logisch, dass sich in diese motorisierte und nach Abgas stinkende Hölle kein Türke mit einem Fahrrad begeben würde. Das Fahrrad hat in der Türkei als Fortbewegungsmittel sowieso so gut wie keinen Wert, es sei denn, man befindet sich gerade auf einer der Istanbuler Prinzeninseln, auf denen Autos verboten sind. In Ankara hab ich bisher zwei Jungs auf Rädern fahren sehen. Selbstverständlich auf dem Bürgersteig.
Ein lustiges Detail noch: Ampeln sind hier immer mit einem Zähler ausgestattet, der anzeigt, wie lange es noch rot oder grün ist. Das kann entweder ganz nett oder furchtbar frustierend sein, beispielsweise wenn die Fußgänger noch 159 Sekunden lang rot haben:-(

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6. Bürgersteige

Warum das so ist, konnte mir noch kein Türke verraten, aber türkische Bürgersteige sind fast doppelt so hoch wie deutsche, was in ziemliche Kletterei ausarten kann. Darüber hinaus sind diese kniehohen (ich übertreibe) Steinbarrieren meist in einem beklagenswerten Zustand, so dass das Laufen darauf schnell in einer lustigen Berg- und Talfahrt endet.

7. Geschlechterverhältnis

Wenn es sie gibt, sind sie mir noch nicht aufgefallen: Busfahrerinnen, Ticketverkäuferinnen, Kellnerinnen, Besitzerinnen von kleinen Geschäften, Busstewardessen, Polizistinnen. Der einzige Ort, an dem man weibliche Angestellte zu Gesicht bekommt (und dort dann fast ausschließlich) ist hinter einer Supermarktkasse. Obwohl es in der U-Bahn wohl mittlerweile zur Normalität geworden ist, dass Männlein und Weiblein nebeneinander sitzen, ist das in Überlandbussen noch eine ganz andere Baustelle. Als sich auf meiner Rückreise von Antalya ein älterer Herr von mindestens 70 Jahren neben mich gesetzt und der Steward das gesehen hatte, war ihm das offenbar furchtbar unangenehm, er bat den Opa aufzustehen und sich woanders hinzusetzen, unter begleitenden "Allah-Allah!"-Rufen.
Etwas ganz anderes gilt übrigens für die Uni: Hier gibt es genauso viele Frauen, die Englischdozentinnen sind, wie in einer entsprechenden deutschen Fakultät. Und - genau wie in Deutschland - ist es öfter ein Mann als eine Frau, der das English Department leitet...

8. Körperkontakt

Türken sind Anfasser. Nicht nur muss man sich zur Begrüßung Bussies geben (eins links, eins rechts), sondern auch während des Gesprächs ist es völlig normal, wenn der soeben kennengelernte Gesprächspartner ständig in die Intimsphäre eindringt (welche er nie als solche definieren würde), um wichtige (und unwichtige) Details des eben Gesagten zu unterstreichen. Wer mich kennt, weiß, dass diese Attitüde nicht unbedingt eine ist, die ich besonders begrüße. Ehrlich gesagt find ich es ganz schön anstrengend. Den Erasmusmenschen hab ich schon verboten, mich mit Küsschen zu begrüßen. Sie halten sich dran.

9. Umweltbewusstsein yok (= nicht vorhanden)

Obwohl das auch wieder gelogen ist, denn immerhin wird Papier getrennt gesammelt. Dafür geht man extrem verschwenderisch mit Plastiktüten um. Der Gedanke, für solche Geld zu bezahlen, würde hier wahrscheinlich Erstaunen auslösen (und auch ich werde mich wieder dran gewöhnen müssen). Außerdem gibt es keine Mülltonnen, stattdessen wird der Müll in besagten reichlich vorhandenen Plastiktüten gesammelt und dann an zum Müllabladen designierten Plätzen (so alle 10 Meter) abgestellt. Das nehmen die ebenfalls reichlich vorhandenen Straßenkatzen und -hunde zum Anlass, sich darin ihr essen zu suchen, was dazu führt, dass man sie beim Vorbeilaufen immer wieder aufscheucht. Daraus ergeben sich dann lustige Schockeffekte in Form raschelnder Tüten und sich unter Autos verkriechender Schatten.
Autoabgase scheinen keinen besonderen Beschränkungen zu unterliegen und besonders die Dolmuşe sind ganz offenbar furchtbare Dreckschleudern. So kommt es, dass man besonders zur Rush Hour schon mal Menschen mit Atemschutzmasken sieht.

10. Entwicklungsland vs. Industrieland

Kann man wirklich von einem zivilisierten Industrieland sprechen, wenn es darin möglich ist, dass ein ganzer Stadtteil (wohlgemerkt ein Stadtteil der Hauptstadt) ohne Vorwarnung 2 Tage lang kein fließendes Wasser hat? Und öfter mal der Strom aus keinem erfindlichen Grund ausfällt? Genau das passiert hier nämlich schon mal... Da kann man dann nichts anderes machen als sich Wasservorräte für die Klospülung anlegen, auf gewaschene Hände und Geschirrspülen (und die ganzen anderen tollen Sachen, die man mit fließendem Wasser so anstellen kann) zu verzichten und eine Kerze anzünden.


Wahrscheinlich gibt es noch 1001 weitere Unterschiede und garantiert auch Gemeinsamkeiten. Aber ich bin jetzt seit mehr als 3 Monaten hier und viele Sachen fallen mir einfach nicht mehr auf. Aber nach meinem Deutschlandurlaub werde ich sicherlich in der Lage sein, einen zweiten Teil zu schreiben.

To be continued...

Und damit dieser Beitrag nicht zu so textlastig gerät, hier noch ein paar Bilder, die ich vom Atakule (Aussichtsturm) aus gemacht habe:

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Montag, 12. November 2007
68.-75. Tag (Montag, 29. Oktober - Sonntag, 4. November)
Montag

Zunächst muss ich von der beschwerlichen Reise berichten, die mich von Ankara nach Antalya führte. Als ich nämlich in den Bus einer Busgesellschaft mit dem wenig Vertrauen erweckenden Namen 'Hattuşaş' (weil irgendwie arabisch) einstieg, war dieser bereits voll besetzt, hauptsächlich mit Kopftüchern und deren zahlreichen Welpen, welche die Kopftücher immer in je eine Sitzreihe gelegt hatten. Eine davon war nun zufällig meine, so dass ich das der Steward das dort schlafende Kalb beiseite räumen lassen musste, was selbstverständlich augenblicklich anfing zu blöken und zu schreien, was mir die erbosten Blicke sämtlicher Kopftücher einbrachte. Darüber hinaus sollte ich bald feststellen, dass man bei Hattuşaş offensichtlich gewillt war, bereits auf der Hinfahrt klimatisches Urlaubsgefühl zu schaffen, indem man die Heizung bis auf Anschlag drehte. Unglücklicherweise saß ich am Fenster und damit neben selbiger. Mein aufgrund der Hitze ohnehin nicht sehr tiefer Schlaf wurde zusätzlich dadurch unterbrochen, dass ich mich andauernd an der Heizung verbrannte. Und am Tee.

Trotz allem kam ich um halb 8 mehr oder weniger munter am richtigen Bahnhof vom richtigen Antalya an und suchte mir nach einem erfrischenden Aufenthalt im Bahnhofsklo sogleich meinen Weg in die Stadt, wo, wie ich gelesen hatte, der Havaş (Transferbus) zum Flughafen fahren solle. Nach viel Bus- und Dolmuşfahren und den freundlichen, wenn auch teilweise irreführenden Ratschlägen zahlreicher Einheimischer stand ich schließlich vor dem Büro von Turkish Airlines und sah auf einem Fahrplan mit Schrecken, dass der nächste Bus um 9 und der danach erst wieder um 11 kommen sollte. Es war ziemlich genau 2 vor 9. Aber ich war ja da.. Puh! Ein anwesender Anzugträger bemerkte mein Ansinnen und verkündete: "You are searching for the Havaş? This doesn't go from here today because of the parade." Parade?! Und wirklich, die Straße war gesperrt und in einiger Entfernung bemerkte ich... türkische Grundschüler, trommelschlagend und Atatürkportraits tragend selbige hinauf kommend. What the f***?! Aber natürlich, heute war ja "Republic Day"! AAAHH! Panik! Wo fährt dieser verdammte Bus? "Around that corner!" So schnell ich mit Gepäck und in der übrigens nicht unbeträchtlichen Hitze Antalyas konnte, rannte ich in die mir gewiesene Richtung, nur um den Bus von hinten zu sehen. Fuckfuckfuckfuckfuck! Völlig verzweifelt machte ich erstmal Pause und sah seit langer Zeit mal wieder das Mittelmeer. Dort, wo ich saß, sah das so aus:

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Doch konnte mich der Anblick nicht darüber hinwegtrösten, dass ich ganz schön im Arsch war. Schließlich hatte ich um halb 12 ein Date am Flughafen, das ich nicht verpassten wollte! Also fragte ich noch ein paar Passanten, aber keiner konnte mir sagen, wie ich anders zum Flughafen komme, außer mit dem Taxi. Also wappnete ich mich und schlich bekümmert zum Taxistand. "50YTL."-"10"-*Gelächter*-"Ich bin Studentin. 15."-"40". 40 Lira! Das wollte ich nicht zahlen. Also hab ich mich umgedreht und bin gegangen, andere Möglichkeiten erwägend, als es hinter mir "20!" schallte. Aha, geht also doch. Offensichtlich hatte ich so niedergeschlagen gewirkt, dass ich sogar noch einen Tee mitbekam und einen netten Taxifahrer, mit dem ich mich über's Wetter unterhalten konnte. Als ich dann einmal da war, dachte ich eigentlich, dass jetzt nichts mehr schief gehen könnte. Also hab ich mich erst mal umgezogen und bin dann in meinem ausgesuchtesten Türkisch auf die Suche nach dem Ort gegangen, an dem ich warten könnte. Also befragte ich die unfreundliche Dame an der Information, mit einem überraschenden Ergebnis: Es kamen keine Flüge aus Düsseldorf an. Stuttgart, München, Berlin. Düsseldorf? Nö. Sie hielt es auch nicht für nötig, mir zu sagen, dass es noch einen zweiten Terminal gab. Das hatte ich zufällig auf irgendeiner Tafel gelesen. Auf Nachfrage bekam ich zu hören, dass sie die Flüge, die dort ankommen, aber nicht einsehen könnte. Na DANKE!. Mittlerweile war es 11 geworden und ich immer noch meilenweit von meinem Ziel entfernt. Oder 2 1/2 Kilometer, was in meinem Fall dasselbe war. Zähneknirschend bestieg ich erneut ein Taxi, diesmal ohne den Preis auszuhandeln. Ein Fehler, denn es kostete 5YTL. 5! Egal, nachdem ich ungefähr 5 weitere Menschen gefragt hatte, zuletzt auf Deutsch, wusste ich endlich, dass ich nun richtig stand (obwohl gar kein Licht angegangen war).

Aber es gibt so Momente, da treten die gemeinen Kleinigkeiten des Lebens und eigentlich auch alles andere in den Hintergrund und das einzige, was bleibt, ist der Augenblick.....

Und das war's, mehr sag ich nicht, ist schließlich so schon kitschig genug! MURRHARRHARR!

Jetzt, da wir zu zweit waren, stürzte ich mich erneut und furchtlos in die Schwierigkeiten, die einem die Beförderung der eigenen Person von A nach B bereiten kann. Und tatsächlich, fast hätten wir ein Vermögen ausgeben müssen, um nicht nur Holger, sondern auch mich in dieses Hotel zu befördern. Schließlich hatte ich keinen Transfer, dachte jedoch, dass man das, wie sonst in der Türkei ja eigentlich auch immer, schon irgendwie regeln könnte. Doch nicht so hier, im durchorganisierten Touri-Betrieb mit so schauerlichen Dingen wie Verträgen und Versicherungen und oh-nein-das-geht-nicht. Zuletzt fanden wir aber doch jemanden, den wir bestechen konnten und der uns zu unserem Hotel fuhr.

Dort angekommen, traute ich erstmal meinen Augen nicht. Sowas war ich als einfaches Mädchen vom Lande nicht gewöhnt...

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Doch konnte ich es (aus anderen Gründen als Architektur) nicht erwarten, in unser Zimmer zu kommen....;-)

Einige Stunden später stellten wir fest, dass wir recht hungrig seien. Also besuchten wir das Restaurant, um uns die erste von vielen, vieeeeeeelen Umsonstmahlzeiten reinzufegen. Wobei in diesem Fall das erste Mal tatsächlich das Beste war. Schließlich waren wir hungrig (ein Zustand, in den wir so schnell nicht wieder kommen sollten) und alles neu und aufregend. Außerdem schien uns die Auswahl so überragend riesig und unüberschaubar und alles so lecker und verkostungswürdig, dass wir eher drei als zwei mal mit vollgeladenen Tellern wiederkamen, Salat und Nachtisch nicht mitgezählt. NACHTISCH! Habe ich jemals behauptet, die Kahve Dünyası sei das Schokoladenparadies? NEIN, da darf man ja nur gucken. Aber das hier, im Hotel Terrace, das ist der wahre Kuchen- und Schokoladenhimmel, zum Angucken und Aufessen:

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KUCHEN! TORTEN! PUDDING! In Sirup schwimmendes türkisches Zeug! Unfassbar, wie viel da tagtäglich (und zwar DREI mal täglich) angekarrt wurde. Da ihr anhand der Nachtischfotos ungefähr erahnen könnt, in welchen Dimensionen sich das Essen hier bewegte könnt ihr auch abschätzen, wie viel Fleischgerichte, Gemüsegerichte, Gebratenes, Gebackenes, Beilagen, Soßen, Salate und Brot es so gab: EINE MENGE!

Und weil das so war, schafften wir es nicht nur an diesem ersten Abend, so viel zu essen, bis uns schlecht wurde, sondern auch an vielen weiteren und manchmal auch noch morgens und mittags. Völlerei ist ja eine Todsünde. Allerdings ist Müßiggang das auch und wenn das so ist, dann haben wir in dieser Woche EINE MENGE gesündigt.

An diesem Tag taten wir nicht mehr viel, außer uns das Hotel anzusehen und.....

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...ihr wisst schon...

Dienstag

Aufgrund des andauernden Schlafbedürfnisses meines lieben Freundes kamen wir heute leider noch nicht in den Genuss des großartigen richtigen Frühstücks. Statt dessen stürzte ich mich - gleichsam allein - in die Fluten des Mittelmeeres und schwamm, bis mir kalt wurde. Derart erfrischt gelang es mir, den immer noch schlafenden Holger zu wecken und immerhin nicht das Langschläferfrühstück (10 bis 11 Uhr) zu verpassen.

Da es nachts geregnet hatte, zogen wir den Pool dem Strand vor, was sich als nicht so gemütlich, aber immerhin unterhaltsam herausstellte. Zunächst mal einige Bilder:

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Um Anfragen vorzubeugen: Nein, gerutscht bin ich nie.

Zum Affen gemacht hat sich dafür ein anderer und das täglich um 15:30. Mit einem an Schulsporttage erinnernden Ton und der dazu passenden Trillerpfeife verkündete nämlich zu ebenjener Uhrzeit der hoteleigene Animateur, es sei nun Zeit für "WASSERBALL, jetzt-geht's-LOS!!!!!!!!!!!". Ich war in der Animationshölle gelandet!

Doch nicht nur das. Nachdem der Wasserballterrorist endlich sein grausames Treiben beendet hatte, wurden wir vom Fototerroristen heimgesucht, der sich bei mir und Holger einschleimte, um uns dazu zu bringen, kitschige Fotos (am besten auf allen vieren am Strand bei Sonnenuntergang) von uns machen zu lassen. Dabei dachte er zu Beginn des Gesprächs ernsthaft, Holger sei Türke und ich seine deutsche Freundin. Tz-tz-tz... Seh ich so aus? Sieht Holger so aus?

Um dieser Vergewaltigung des guten Geschmacks irgendwas entgegensetzen zu können, holte ich mir von der Bar einen Wodka-Lemon. Doch als ich mit meinem eskapistischen Getränk wieder zu unseren Liegen zurückkehrte, fand ich mich im Himmel wieder - im Katzenkinderhimmel! Ina möge mir verzeihen, wenn sie diese Zeilen liest, aber ich muss euch einfach von diesen KATZEN erzählen. Ich war ihnen schon auf meinem morgendlichen Gang zum Meer hin begegnet, eine Katzenmama und ihre zwei kleinen Kätzchen, die sich auf niedlichste Weise balgten und miteinander kuschelten. Als ich jedenfalls von der Bar wiederkam, war ungefähr folgendes passiert:

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Bei Allah! Das war sooooooo niedlich! Besonders, als eine von den Katzen dann auch noch das gemacht hat:

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So, und jetzt hör ich auf, Ende mit Katzen, das war's! Keine Katzen mehr.

Mittagessen haben wir übrigens mehr oder weniger ausfallen lassen. Man kann auch einfach nicht dauernd SO VIEL essen. Statt dessen hab ich mir die Zeit bis zum Abendessen im Hamam vertrieben:-)

Um uns vom Abendessen zu erholen (schwere Anstrengungen ziehen Ruhepausen nach sich!), entdeckten wir das Fernsehprogramm für uns, oder besser gesagt, ich, denn ich war es schließlich, die seit Monaten nicht mehr RTL geguckt hatte und nun gebannt der "Supernanny" folgte. Hatte ich es vermisst? Ein bisschen vielleicht;-)

Den Abend verbrachte ich damit, viele verschiedene Cocktails, einige darunter ganz schön widerlich, auszuprobieren und ganz schön betrunken zu werden. Und das ganz umsonst!

Mittwoch

Schon wieder nicht zum richtigen Frühstück geschafft:-( Egal, einfach liegen geblieben, auf MTV Parental Control und ähnlich lustigen Schwachsinn geguckt und bis zum Mittagessen gewartet;-))) Am Strand gelegen, viel gelesen, auf Sonnenuntergang gewartet, leider Wolke davor:-( Später VIEEEEEEL Bier getrunken, der lustigen betrunkenen nicht mehr ganz jungen Süddeutschen ihren Raki (jawohl, mit I) abgenommen, noch raus gegangen, komische Bar Schrägstrich Disco gefunden, mehr Bier getrunken, Rammstein gewünscht, Wunsch nicht in Erfüllung gegangen, stattdessen zu "Shake it up şekerim" (vielen noch bekannt als diesjähriger Beitrag der Türkei zum Grandprix de la chanson de l'Eurovision) getanzt, ins Hotel gewankt, gewartet, bis sich nicht mehr alles dreht, ins Bett gefallen und schon war

Donnerstag

Nachdem ich mich von dem Schock erholt hatte, selbst den Dolmuşfahrer in Euro bezahlt zu haben, freute ich mich wieder, unterwegs nach Side zu sein. Dort gab es dann auch wirklich einige beeindruckende Ruinen anzusehen und endlich wieder einen Gebetsruf zu vernehmen. Irgendwie hatte ich ihn vermisst... Nach dem unvermeidlichen Postkartenkauf (ihr könnt euch wahrscheinlich immer noch drauf freuen) besichtigten wir den Tempel des Apollo, von dem sie einige Säulen wieder hingestellt hatten, was eine wirklich romantische Kulisse ergab, die ich hier verschandele:

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...und hier nicht.

Auch im Beauty Contest gegen die Medusa rechterhand hab ich eindeutig verloren:

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Holger hingegen bewies sich erneut als Katzenbeschwörer, so dass es mir gelang, diesen zauberhaften Moment einzufangen:

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Und obwohl wir noch auf je ein Glas frisch gepressten Orangen- und Granatapfelsaft blieben, konnte ich mich auch an diesem Abend keines richtigen Sonnenuntergangs erfreuen. Irgendsoein Arsch von Wolke war schon wieder davor!

Dafür hab ich "Türkisch C&A" gesehen. Guckst du hier:

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Freitag bis Sonntag

ist nicht viel losgewesen, dieweil ich mir leider eine besonders gemeine Krankheit zugezogen habe, die sich später, nach Diagnose durch eine Ankaraner Unikrankenhausärztin, als Blasenentzündung herausgestellt hat... Das Schicksal ist aber ja immerhin so lieb gewesen, mich die ersten vier Urlaubstage zu verschonen.

Krankheiten sind doof, deshalb noch ein paar schöne Fotos:

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Ja, Obst gab's auch. Aber wer will schon Obst, wenn er Kuchen haben kann?

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Ein weiterer missglückter Sonnenuntergang, dafür mit Kamel.

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Ich wusste nicht, dass Bananenstauden so aussehen.. Besonders beeindruckend, doch leider nicht von mir fotografisch festgehalten, war, als das alienartige Ding da unten auch noch von einer Hornisse umschwirrt wurde, die ungefähr die Größe eines Kanarienvogels hatte..

Aber das Großartigste hab ich mir für den krönenden Abschluss aufgehoben. Wir waren uns nicht sicher, ob Handtuch-in-Schwan-und-Herzform-Falten zum Standardrepertoire einer türkischen Putzfrau gehört oder ob sie das extra für uns gelernt hat, weil ihr die Geräuschkulisse so gut gefallen hat, die sicherlich aus unserem Zimmer heraus erklungen ist und werden es wahrscheinlich auch nie sicher wissen. Sicher ist nur, dass wir ihr 5€ Trinkgeld gegeben haben;-)

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Sonntag, 11. November 2007
60.-67. Tag (Montag, 22.-Sonntag, 28. Oktober)
Montag bis Freitag

Hmmmmm.....Was mach ich nur falsch? Es scheint sich erlebnistechnisch eine kleine Durststrecke eingeschlichen zu haben. Glücklicherweise hat mir Ankaras Kulturszene intellektuellen Input und somit einen Lichtblick verschafft: Am Donnerstag nämlich war der erste Tag des Autumn Film Festivals!

Dank Gökçe bemerkte ich diese Tatsache auch, denn sie nahm mich mit zum Eröffnungsfilm. So sahen wir uns "The Wooden Box" auf Spanisch mit englischen und türkischen Untertiteln an, was sich als verdammt schwarze Komödie genau nach meinem Geschmack herausgestellt hat. Am nächsten Tag sah ich "Breath" von Kim Ki-Dok, ebenfalls seeeeeehr gut, wenn auch weniger lustig als mehr ernst, ging schließlich um die Todesstrafe. Enttäuscht hat mich leider der letzte Film, den ich mir angesehen habe: "Landscape in the mist" über zwei dackeläugige griechische Kinder, die ihrem angeblichen deutschen Vater entgegenreisen und denen es ach-so-schlecht geht. Die fiepende Tragi-Musik hab ich immer noch im Ohr. Ich war nicht angemessen betroffen!

Aber ganz abgesehen davon, dass ich physisch nicht viel erlebt habe, spielte sich dafür vor meinem geistigen Auge eine Szene immer und immer wieder ab, bis ich es eigentlich abstellen und mich mal auf was anderes konzentrieren wollte, was aber schlicht unmöglich war. Der Grund meiner anhaltenden psychischen Erregung und Fixierung war der, dass ich Sonntag nacht in einen Bus stieg, der mich nach Antalya bringen und wo sich am Flughafen ebenjene Szene in Wirklichkeit ereignen sollte...

Ob die Fahrt nach Antalya wohl schön war?
Ob Vera den Weg zum Flughafen überhaupt gefunden hat?
Welche verdammte Szene meint sie eigentlich?

Antworten auf diese Fragen und noch vieles vieles mehr gibts im nächsten Mega-Antalya-Urlaubs-Beitrag! Mit Fotos!

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Sonntag, 28. Oktober 2007
53.-59. Tag (Montag, 15.-Sonntag, 21. Oktober)
Montag bis Sonntag

NICHTS ist passiert diese Woche! GAR nichts! Mittwoch hatte ich Kopfschmerzen wie die Hölle, also war ich Donnerstag nicht bei Türkisch. Am selben Tag hab ich Hande getroffen, die letztes Jahr als Erasmusstudentin in Dortmund war. Sie versprach, mir Gossentürkisch beizubringen. Bis jetzt hab ich aber nur "Verpiss dich" gelernt. Und seit Freitag hab ich meine Aufenthaltsgenehmigung. Die Genehmigung, mich aufzuhalten! Wozu das gut sein soll, steht in den Sternen.. Abends bin ich Indie auf eine Bilkent-Party gefolgt. Dort hatte ich einige nette Konversationen mit Finnen und Italienerinnen. Die meisten Partygäste waren jedoch Amerikaner. Und fragt mich bitte nicht warum, aber irgendwie bin ich mit keinem davon wirklich warm geworden. Kann aber auch sein, dass es nicht an ihrem Amerikanersein lag. Sondern an meiner Unkommunikativität, welche an diesem Abend einen traurigen Höhepunkt erreichte. Nun, sprechen wir nicht mehr davon.

Den Rest des Wochenendes verbrachte ich damit, eine Menge zu schlafen und auch zu lernen und sogar die Wohnung zu putzen. Darüber hinaus schrieb ich viele E-Mails an die Dramaturgen im Ruhrgebiet und Rheinland, da mein Dortmunder Dramaturg mich mit meiner Hospitanz ziemlich hat hängen lassen.. Das Schauspielhaus Bochum war dann sogar so nett, mir gleich am Sonntag zu antworten: Man wisse es noch nicht, ob man Hospitanten bräuchte.. Na ja, man darf noch hoffen..

Ein letztes Hightlight dieser Woche ist die Wasserpfeife, die Emre uns geschenkt hat, weil Tayfun so nett war, ihn ungefähr eine Woche lang mit seiner Freundin hier wohnen zu lassen. Wir hatten viel Freude daran, unser Geschenk auszuprobieren. Rauchringe machen zu können wäre gesellschaftlich wahnsinnig beeindruckend, aber noch schwerer, als man es sich vorstellt..

Und um, abschließend, diesem Beitrag auch noch ein kleines Highlight hinzuzufügen, schüttele ich eine kleine sinnlose Umfrage aus dem Ärmel. Und die geht so:

Ich brauche eine Entscheidungshilfe: Würdet ihr das angeblich sehr leckere, aber doch aus klein geschnittenen Schafseingeweiden bestehende Kokoreç essen, das es in der Türkei an jeder Ecke zu kaufen gibt?
Klar, Schafseingeweide rocken noch mehr gebratenes Affenhirn!
Nein. Bereits bei dem Gedanken daran muss ich mich übergeben.

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Erstellt von verazimmermann84 am 2007.10.28, 15:23.

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Montag, 15. Oktober 2007
46.-52. Tag (Montag, 8.10.-Sonntag, 14.10.)
Montag

Nachdem Indie und ich taschentücherschwenkend unseren Gast am Otogar verabschiedet hatten, erstanden wir ein Busticket nach Bartın am Schwarzen Meer. Und um es vorweg zu nehmen: Solltet ihr jemals versuchen, an einem türkischen Busbahnhof ein Ticket zu kaufen, prägt euch den Unterschied zwischen Çarşamba (Mittwoch) und Perşembe (Donnerstag) ein! Aber dazu später mehr.

Vom Busbahnhof aus haben wir uns dann zum Atakule (hoher Turm hier, eine Art Wahrzeichen) durchgeschlagen, sind aber aufgrund der Tatsache, dass wir unsere Kameras nicht dabei hatten, nicht raufgefahren. Statt dessen holten wir uns bei Burger King ungesunden Burger- und Frittenfraß, den wir uns im nahegelegenen botanischen Garten reinfegten. Ich will nicht sagen, dieses Essen habe den Tag gerettet, aber das Glutamat hat seine wohltuenede Wirkung nicht verfehlt!

Dienstag

Nachdem ich ganz brav zur Uni gegangen war und viel gelernt hatte (*räusper*), kam ich am späten Nachmittag nach Hause. Dort stellten Indie und ich alsbald, jedoch mehr nebenbei fest, dass uns oben beschriebenes Missgeschick passiert war. Nun hatten wir kein Ticket für Donnerstag morgen (was sinnvoll gewesen wäre, weil wir beide Mittwochs noch Uni hatten), sondern für Mittwoch morgen. Für....MORGEN! AAAAAHHHHH! Von sowas hab ich ja normalerweise nur Albträume und dieses Mal passiert es wirklich. Da wir nun keine Ziet mehr dazu hatten, uns noch wie geplant einige Reiseführer auszuleihen und eine Unterkunft zu organisieren, schrieben wir panisch Adressen von Hotels ab und durchsuchten das Internet nach Stadtplänen. Und dann hatte ich einen großartigen und unseren Urlaub nachhaltig beeinflussenden Einfall: Einfach alle Menschen mit Hospitality-Club-Profilen in Amasra und Bartın anschreiben! Das tat ich dann auch, am Ende kontaktierte ich wohl so 8 Menschen. Und siehe da - es dauerte keine Stunde, bis der erste sich auf meinem Handy meldete. Eine weitere Stunde später hatten wir eine Unterkunft bei zwei Navy-Offizieren (!) und Telefonnummern von mindestens drei anderen Menschen. So ganz wohl war uns natürlich nicht.. Welches Interesse motiviert solche bedingungslose Gastfreundschaft? Raub? Mord? Vergewaltigung? Menschenhandel? Organhandel? Hat jemand "Hostel" gesehen?

Mittwoch (a.k.a. Çarşamba)

Bewegt von einem bunten Gefühlsstrauß, zur einen Hälfte aus positiven, zur anderen Hälfte aus negativen Emotionen bezüglich der bevorstehenden Reise bestehend, saßen wir um halb 11 in unserem 20YTL-Bus und fuhren nach Norden. Interessant zu sehen, wie die Wüste langsam einer erst spärlichen, dann immer ausladenderen und schließlich als üppig zu bezeichnenden Vegetation weicht. Noch ein Wort zur Servicekultur in türkischen Überlandbussen: Im 20-Minutentakt bekommt man vom freundlichen Steward etwas angeboten: Wasser, Cola, Tee, Kaffee, Kölnisch Wasser (überhaupt eine wichtige Flüssigkeit hier), ein kleiner Kuchen gar. Erstaunt und begeistert genoss ich die 4-stündige Fahrt.

In Bartın wurden wir wie versprochen von unserem Marineoffizier abgeholt. Und - Überraschung - ich glaube, dass er schwul ist! Und ich bin mit meiner Meinung nicht alleine. *In the NAVY* - Die Village People hatten recht! Leider hab ich kein Foto, auf dem man seine gebrochenen Handgelenke sieht.

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Links ist Serdar, der mit dem schwulen Touch und rechts Kazım, sein Mitbewohner und Navy-Kumpel, gänzlich ohne schwulen Touch. Aber man weiß ja nie...

Jedenfalls nennen die beiden ein direkt (und wenn ich das sage, dann meine ich es auch) am Meer gelegenes Apartment mit freiem Zimmer für Indie und mich ihr eigen. Hier ein Foto von Indie und der Aussicht:

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Die Fenster sind leider recht nutzlos gegen den Wind, denn es sind keine Scheiben drin...

Das Apartment hatte übrigens noch eine dritte Bewohnerin: Buffy, den Hund (besser: die Hündin). Dieses genauso unterwürfige wie unerzogene Tier sieht so aus:

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Und da wir uns ja in einer Soldatenwohnung befanden, fehlte es auch nicht an Atatürkschmuckwerk und diesem tollen Hut:

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Steht mir doch, oder?

An diesem Tag haben wir nicht mehr viel gemacht außer Essen und Teetrinken und später Okey und Kartenspiele spielen. Vom Essen hab ich übrigens mal wieder ein tolles Foto:

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Das nennt sich Amasra-Salat und ist echt eine leckere Sache!

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Vielleicht seh ich hier deshalb so glücklich aus.

Noch kurz ein Detail, das meine Familie erstaunen wird: Neben dem Salat gab es Fisch. Frittiert und ohne Kopf, aber mit Schwanz. Wahrscheinlich liegt es am urlaubsbedingt anderen Essverhalten, anders kann ich mir nicht erklären, warum ich sowas essen konnte (und es mir sogar geschmeckt hat).

Ach ja, gepokert haben wir später auch noch. Die sagen, ich hätte einen Straight Flush gehabt. Ist das was Gutes? ;-D

Donnerstag (a.k.a. Perşembe)

Nach einem beeindruckenden türkischen Frühstück, zu dessen Herstellung wir keinen Finger rühren durften, fragten wir vorisichtig nach, was man heute so vorhabe und ob man sich das Städtchen mal ansehen dürfe. "It is no problem, we go together." Die Worte "No problem" haben wir übrigens öfter gehört.. Jedenfalls sind wir dann irgendwann auch aufgebrochen zu unserem kleinen Spaziergang. Und "klein" war er wirklich, schließlich konnten wir keine 100 Schritte gehen, ohne im nächsten Teegarten eine Pause machen und irgendwas trinken zu müssen. Das Argument, man habe doch gerade gefrühstückt und dabei reichlich Tee zu sich genommen, zählte dabei nur bedingt. Was sich nun anhört wie Jammern auf hohem Niveau, ist doch insofern angemessen, als wir den uns dargebotenen Komfort doch mit einem Stück unserer Freiheit erkauften. Entschädigt wurden wir hiermit:

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Besonders letzteren (welcher bloß eine andere Blickrichtung von vorletzterem darstellt) Anblick ließen wir besonders intensiv auf uns einwirken. Zumindest so lange, bis wir von unserem Begleiter, hier links im Bild:

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...wieder aufgescheucht und zu weiterem Teekonsum gezwungen wurden. "Do you want to take a picture?" kam als Frage übrigens gleich hinter "Do you want to drink tea?" und "Do you want to eat something?". Hier noch einige der Ergebnisse:

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Ich nenne es: "Frau mit unpraktischer Frisur".

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Abends waren wir übrigens ähnlich aktiv: Nachdem wir mit Essen, Tee und zuletzt Bier reichlich versorgt waren, begann der erste türkische Fernsehabend meines Lebens. Mein erster Eindruck: Türkische Fernsehwerbung ist noch enervierender als deutsche und türkische wöchentliche Kultserien so schlecht wie deutsche Daily Soaps. Darüber hinaus kam ich in den zweifelhaften Genuss, der Übertragung eines Fußballspiels folgen zu dürfen. Türkei gegen..ääähh..irgendwas europäisches. Oder Möchtegern-europäisches. Ach was weiß ich denn? Jedenfalls wurde es noch ein laaanger Abend, da wir erst versucht haben, "Smoking Aces" zu gucken, dann war aber auf der Hälfte die DVD kaputt. Also haben wir "Seven" gesehen. Andere Filme standen nicht zur Auswahl, da sich der Rest der laut Serdars Angaben beachtlichen DVD-Sammlung "auf dem Schiff" befindet, was meiner Ansicht nach viel über die Arbeitsmoral unserer Gastgeber oder der von Marineangehörigen im Allgemeinen aussagt.

Freitag

Ziemlich unverschämt ließen wir heute unsere so überaus aufmerksamen Gastgeber schlafen und machten uns ganz alleine auf den Weg. Schließlich hatten wir noch andere Vereher: Als wir nämlich am Donnerstag gerade dabei waren, Amasras klitzekleines Archäologisches Museum zu besichtigen (und auch vorher und nachher; in der relativen Stille des Museums ist es mir nur noch mehr aufgefallen), klingelte mein Handy ungefähr im Abstand von 3 Minuten. Da es das sonst eher nicht tut (im Normalfall klingelt mein Handy im Abstand von 3 Wochen), war ich ganz furchtbar genervt. Zumal ich mir mittlerweile nicht mal mehr die Namen unserer ganzen "Freunde" merken konnte. Ein besonders aufdringlicher Kontaktsuchender hatte es jedenfalls geschafft, uns zu einem Treffen zu überreden. So geschah es denn, dass wir uns mit Gülserin und Mustafa Ahmed (oder Ahmed Mustafa?) auf einen Tee trafen und - nachdem wir uns gegenseitig von unserer Ungefährlichkeit überzeugt hatten - in ihren schicken kleien Corsa einstiegen. Man brachte uns nach Çeştepe, einem winzigen Kuhdorf (bisschen wie zu Hause) irgendwo in den Bergen, wo man sich bei einer befreundeten Familie angemeldet hatte. In deren Haus, das zum Hauptteil aus einem einzigen riesigen Wohnzimmer zu bestehen schien, fuhr man unter den Augen der überaus interessierten und wohlwollenden Großfamilie (Opa, Mama, Papa, Kinder, Tanten, Cousins, etc.) ein opulentes Bayram-Menü vor uns auf:

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Welch ein Glück, dass wir nicht gefrühstückt hatten! So konnten wir alle richtig glücklich machen, indem wir besonders viel in uns hineinstopften. Merke: Iss niemals deinen Teller ganz leer, wenn du nicht einen weiteren Fleischberg haben möchtest (den man in diesem Fall bekommt). Nach dem abschließenden Familiengruppenfoto...

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...machten wir noch eine kleine Prozession durchs Dorf. Schnell scharte sich eine Menschentraube aus Dorfbewohnern um uns herum, die zumindest so taten, als hätten sie noch nie einen Ausländer gesehen. Wie im Zoo... Mustafa Ahmed (oder Ahmed Mustafa) war übrigens Pressefotograf und machte in dieser Eigenschaft immer wieder Fotos mit uns im Vordergrund. So entstand unter anderem auch dieses Foto, auf dem ich den Blick auf die wunderschöne hügelige Landschaft versperre:

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Die größte Sorge unserer zwei Reiseveranstalter bestand übrigens darin, dass wir uns langweilen könnten (obwohl wir diese Möglichkeit strikt verneinten). Deshalb mussten wir schnell-schnell wieder ins Auto steigen und zum nächsten Hightlight fahren - einem kleinen Örtchen am Strand mit einem netten Sandstrand. Auch dort durfte ich keine Fotos machen, auf denen wir nicht debil in die Kamera grinsen:

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Warum schließlich die Landschaft für sich sprechen lassen? Man muss ja später auch beweisen können, dass man da war. Oder hatte Mustafa Abdul (oder Ahmed?) einen anderen Grund für seine beständige Fotografiererei?! Aber dazu später mehr...

Zunächst mal wurden wir nach Bartın, der Provinzhauptstadt, chauffiert und erneut zum Verzehr von Tee und fett-/ zuckerhaltigen Lebensmitteln gezwungen. Nachdem auch dieser Programmpunkt erledigt war, ging es über die Hügel wieder zurück nach Amasra, nicht ohne Foto-Zwischenstopp (es gab schließlich einen Sonnenuntergang):

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Obwohl man ihnen anmerkte, dass sie langsam dann auch mal nach Hause wollten (und wir sie auch gar nicht daran hindern wollten), ließen unsere beiden Reiseführer es sich nicht nehmen, uns noch zu Amasrasalat und frittiertem Fisch (diesmal mit Kopf) einzuladen. Dankbar und satt verabschiedete man sich, sprach Gegeneinladungen aus und ging endlich seiner Wege. Unseren sturmfreien Abend (Serdar und Kazim mussten "on duty") verbrachten wir mit Tavlaspielen, Biertrinken und früh-ins-Bett-gehen.

Samstag

Ausgeruht wie wir waren, standen wir gegen 10 Uhr auf und fanden unsere Gastgeber schlafend in ihren Betten vor. Da wir eigene Pläne hatten, schlichen wir uns erneut aus dem Haus und machten eine Touristenrundfahrt um Amasra herum. Dabei kamen wir endlich nah genug an die "Kanincheninsel" heran, um ernsthaft nach Kaninchen suchen zu können. Wir entdeckten eines, das ich in Anlehnung an eine befreundete Bloggerin mit ebenso moderner Technik sichtbar gemacht habe:

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Bewegt hat sich das kleine Pelztier nicht wirklich, womit es sich dabei auch um ein ausgestopftes Kaninchen gehandelt haben könnte, das da zur Touristenbelustigung sitzt.

Derweil wir noch auf dem Boot waren, wurden wir von Gülserin angeschrieben, die aus mysteriösen Gründen unsere vollen Namen haben wollte. Doch nicht etwa für eine Bildunterschrift?! In einem Artikel mit dem Titel "Deutsche Touristen haben viel Spaß bei uns"? Das Tollste hab ich ja noch gar nicht erzählt: Man fragte uns nämlich, ob wir bereit wären, uns vor dem Grab von Bariş Akarsu, Rocksänger aus Amasra, Gewinner des türkischen "Oriental Star" und bei einem Autounfall gestorben, fotografieren zu lassen. Die Entscheidung fiel uns nicht schwer. NEIN!

Das ist er übrigens:
http://www.radyo1.fm/images/linkler/174351baris_akarsu.jpg

Nach unserer Rückkehr befanden sich unsere beiden Marinehelden immer noch im Bett, so dass wir die Zubereitung von "Frühstück" in Angriff nahmen. Wir haben dann nicht mehr viel getan, außer uns Rückfahrtickets zu besorgen und endlich Teile unseres Uni-Krams zu lesen und abends fernzusehen und Karten zu spielen. Nachts waren Serdar, Indie, Buffy und ich dann noch mal spazieren, im strömenden Regen, der mittlerweile die Wetterlage beherrschte.

Sonntag

Spät, wie ich aufgestanden war, blieb uns nicht mehr viel Zeit zum Frühstücken und für die Übergabe unseres bescheidenen Gastgeschenkes (Süßes und ein neuer Würfel für ihr unvollständiges Tavlaspiel), denn wir mussten uns schon aufmachen zum Dolmuş nach Bartın (das wir erstaunlicherweise selbst bezahlen durften). Unsere Dankbarkeit in Worte zu fassen viel uns reichlich schwer, aber man erwartete auch keine überschwenglichen Dankesreden von uns.... Auf Wiedersehen, schönstes, kleinstes, bezauberndstes Amasra!

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Nach einer wiederum sehr komfortablen Rückfahrt kamen wir gegen 11 in Ankara an und um 12 zu Hause an. Nicht ohne uns einen Vorrat an Bier und auch Rakı zugelegt zu haben, den wir zwischen 2 und 7 Uhr morgens gemeinsam mit Hannes vertilgten, der aus Fremdfamilienurlaub in Trabzon zurück war und sich ein Besäufnis wünschte. Was wären wir für Menschen, ihm diesen Wunsch abzuschlagen?

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39.-45. Tag (Montag, 1.10.-Sonntag, 7.10.)
Geht das nur mir so oder wird das Tagezählen langsam etwas enervierend? Vielleicht sollte ich stattdessen Wochen zählen. Ich werde eine Umfrage starten!

In welche verdaulichen Untereinheiten soll Vera in Zukunft ihr im Ganzen zu unvorstellbar und unerfassbar großes Abenteuer gliedern?
Weiterhin nach der Anzahl der in der türkischen Republik verlebten Tage (wird langsam anstrengend und unübersichtlich).
Nach Wochen (ist zahlenmäßig nicht so beeindruckend).
Es ist mir vollkommen gleichgültig.

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Erstellt von verazimmermann84 am 2007.10.15, 15:35.



Allerdings solltet ihr berücksichtigen, dass eure Stimme nicht wirklich irgendeinen Einfluss hat. Schließlich bin hier immer noch ich die Bestimmerin!

Ist euch allerdings aufgefallen, dass ich hier ein verdammt noch mal postmodernes Weblog verfasse? Nämlich kommentiere ich den Prozess seiner Entstehung, mein Text hat somit "Selbstbewusstsein", was, wie ich gerade fleißig lerne, eines der Hauptmerkmale postmoderner Literatur ist.

Bleibt nur noch die Frage, ob ein Online-Tagebuch unter "Literatur" fällt... Andererseits ist der Autor sowieso tot, der Leser aber scheinbar im Geburtskanal stecken geblieben, um mal eine intertextuelle Referenz einzuflechten. Und da ich ja möchte, dass ihr mich versteht - anders als diese ganzen postmodernen Schweineschriftsteller - sag ich euch auch, wo ihr das bei Interesse nachlesen könnt (schade sowieso, dass es hier keine Fußnoten gibt): John Barth. The Literature of Exhaustion. The Atlantic 220.2 (August 1967): 29-34.

Montag

Um meinen universitären Horizont zu erweitern, begleitete ich Indie heute zu ihrer Elite-Uni "Bilkent". Laut ihren Angaben studieren dort hauptsächlich privilegierte (will sagen: reiche) Türken und jede Menge Amerikaner, was die Atmosphäre wohl etwas...exklusiv macht, um mal einen mehrdeutigen Euphemismus zu gebrauchen. Wobei ich mich nicht über die "City of Science and Knowledge" (murrharrharr) lustig machen sollte, schließlich komme ich dank des Geldes der privilegierten Studtenen in den Genuss einer tatsächlich besser ausgestatteten Universitätsbibliothek. Wobei ich sagen muss, dass der Architekt nicht unbedingt wert auf leichte Zugänglichkeit und vor allem Auffindbarkeit aller Bereiche gelegt hat.

Hier ein kleines landeskundliches Detail: Kopieren darf man in türkischen Unis grundsätzlich nicht selber. Dafür gibt es an jedem Kopierer Servicepersonal. Das schafft und erhält Arbeitsplätze und ist gut für die Wirtschaft!

Mit unseren Kopien durchsuchten wir Ankara nach einem lauschigen grasbedeckten und baumbestandenen Plätzchen, das wir nach mehreren Enttäuschungen (grüne Flächen im Stadtplan müssen nicht unbedingt auf grüne Wiesen in der Realität deuten) im Kore Bahçesi fanden, einem Koreakriegsdenkmal. Hier ließ es sich ganz wunderbar "Warten auf Godot" lesen und über die Eigenheiten des absurden Theaters sinnieren.

Dienstag

Türkische Bürokratie par excellence erlebte ich an diesem Vormittag auf der Polizeistation, in der ich als Ausländerin meine Aufenthaltsgenehmigung beantragen musste. Lustig daran war, dass man sich erst seine eigene rosa Mappe kaufen muss, bevor man seine ganzen Formulare abgeben. Assoziationen zu gewissen Asterix-Filmen ergaben sich da unwillkürlich, obwohl wir keinen Passierschein A38 brauchten und auch kein rosa Formular, aber immerhin eine rosa Mappe und viele weiße mit lustigen Fragen (What's your mother's profession?) bedeckte Formulare. Nach nur zwei Stunden hatten wir es jedoch überstanden und konnten endlich zum Campus und in die Mensa. Und weil ich das noch nicht getan hab, muss ich euch unbedingt zeigen, wie ein Mensaessen hier so aussieht:

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Wie im Knast, oder? Ich find's geil..

Nach meinem Seminar versuchte ich gemeinsam mit Gökçe, einer Kommilitonin, mein Glück als Hitchhikerin. Doch niemand wollte anhalten. Lag es an mir? Später nahmen wir dann doch ein Dolmuş.. Frustrierend!

Da ich eingeladen wurde, schlug ich nicht aus und besuchte Gökçe in ihrer Wohnung, die verkehrsgünstig direkt an der Vergnügungsmeile Ankaras liegt. Dort lernte ich ihren Mitbewohner kennen, dessen Namen mir zwar entfiel, dessen sexuelle Orientierung mir jedoch umso mehr ins Auge sprang. "I'm gay, by the way" war so ungefähr das zweite, was er zu mir sagte. Er möchte übrigens Opernsänger werden und er will, dass ich ihn mit dem Research Assistant unseres Departments verkuppele...Lustig war's!

Um 10 traf ich mich noch mit Hannes und Indie auf ein verdientes Feierabendbier. Aus dem einen wurden zwei und da Bier eine tolle Sache ist, war es ein toller Abend.

Mittwoch und Donnerstag

waren langweilig.

Freitag

Angesichts meines näherrückenden Geburtstages reiste heute unsere liebe Freundin Sandra (formerly known as "Die Lettin") aus Izmir an. Bei Tee und Okey hatten wir einen lustigen und unspektakulären Abend.

Samstag

Die Vorbereitungen verdichteten sich. Bier musste gekauft, Essen zubereitet werden. Hier ein kleiner Eindruck:

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Aus diesem Teig (nennt sich Yufka; macht man auch Baklava draus)...

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...schneidet man solche Dreiecke und füllt sie mit weißem Käse und Kräutern...

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...dann rollt man alles zu einem dekorativen Röllchen..

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...was dann am Ende, nach dem Braten, ganz furchtbar appetitlich aussieht und unfassbar lecker schmeckt! Danke Indie!

Bloß schade, dass ich so wenig davon abbekommen hab. Gefräßiges Partypack!

Die Party jedenfalls war eine sehr lustige solche und unser kleines Wohnungchen war voll mit Menschen, Bier und guter Laune. Besonders Tayfun blühte regelrecht auf, mobilisierte all seine Englischkenntnisse und schmiss sich auf jedes Foto. Hier einige Impressionen:

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Naturgegebenermaßen fand die Party um 12 ihren Höhepunkt, als nämlich die anwesenden türkischen und internationalen Studenten mir in nahezu allen vertretenen Sprachen (türkisch, deutsch, englisch, französisch, polnisch; bloß maltesisch hat gefehlt) ein Geburtstagslied sangen. Und einen Kuchen mit 23 Kerzen hab ich auch bekommen:

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Könnt ihr gerne nachzählen!

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Hier packe ich Sandras Geschenk (u.a. Backförmchen, die uns angesichts unseres fehlenden Backofens nicht viel bringen...) aus und zerstöre dabei relativ rücksichtslos das Disney-Geschenkpapier.
Außerdem glänze ich so schön!

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Ein Geschenk, das mir sehr viel Freude bereitete - Socken, die mir Hannes auf dem Weg von der U-Bahn-Station zur Wohnung noch schnell gekauft hatte...

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Obwohl sie ja farblich nicht so richtig zu meinem T-Shirt passen wollen...

Gegen 3 oder 4 Uhr lief die Party so langsam ins Leere. Als jemand versuchte, ein ernsthaftes Gespräch anzufangen, warf ich ihn hinaus. Damit war die Party vorbei, Vera war 23 geworden und alle waren glücklich und zufrieden!

Sonntag

Erstaunlich kopfschmerzlos beseitigten wir gegen 12 die Spuren der vorausgegangenen Exzesse. Gestärkt mit Pide und Ayran fuhren wir mit Sandra zum Mausoleum und wieder hatte ich dort eine Menge nationalistischen Spaß.

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Zum Beispiel mit diesem Marineoffizier hier.

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Nach dem Verzehr eines leckeren Eises (hier unten links im Bild)...

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...wurde versucht, mir Backgammon, hier als Tavla bekannt, beizubringen. Der Erfolg war mäßig.

Abends zauberten uns Indie und Sandra Tortilla und Sangria (respektive). Nach dem Verzehr dieser spanischen Köstlichkeiten verbrachte ich den Rest des Abends damit, mich an meinen Geburtstagsglückwünschen zu erfreuen. Was für ein Spaß es doch ist, Geburtstag zu haben!

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Montag, 1. Oktober 2007
32. - 39. Tag (Montag, 24.09. - Sonntag, 30.09.2007)
Montag

Aufstehen musste ich zu einer höchst unchristlichen (wahrscheinlich auch unmuslimischen, wenn nicht gerade Ramadan ist) Zeit, denn es war an mir, mich zur universitären "Welcome Ceremony" zu begeben. Positiv daran: Kekse, Tee, Informationsvermittlung und Kennenlernen von Erasmuskommilitonen (zu denen gleich mehr). Negativ: Panische Nerv-Studenten, peinliche Spielchen zum Kennenlernen ("Sagt euren Namen und macht eine typische Handbewegung"...ich gab ihnen die Pommesgabel).

Ich fühlte mich zurückversetzt zum Beginn des Sprachkurses. Es gibt hier jedoch nicht ganz so viele Erasmusmenschen hier wie dort (zum Glück!) und auch ethnisch sind sie nicht ganz so durchmischt. Es gibt 3 große Gruppen: Deutsche, Franzosen und Polen. Dazu eine Belgierin und - exotisch! - eine Malteserin.

Nachmittags jedenfalls hatten wir Sprachkurs. Unser Lehrer scheint der nächsten Grundschule entsprungen. Den türkischen Dialog mussten wir im Chor nachsprechen. Daraufhin beschloss ich, nicht mehr zu diesem Sprachkurs zu gehen. Meine Hoffnung besteht darin, dass "Turkish advanced" von einem anderen Pädagogen unterrichtet wird…

Dienstag

Ich beging den Fehler und ging zu einer Veranstaltung mit dem gut klingenden Titel "Turkish Culture" anstatt zu meinem Contemporary British Novel-Seminar. Die von einer Dozentin des Department of Turkish Folklore vorbereitete Präsentation fiel mangels Beamer leider aus. Sie fand es aber gar nicht schlimm, sondern im Gegenteil GANZ TOLL, denn so konnte sie uns nützliche Weisheiten über die Eigenheiten ihrer Kultur mit auf den Weg geben, die da wären:

1. Türken sind freundlich und hilfsbereit.
2. In einem türkischen Haus muss man seine Schuhe ausziehen.
3. Türken benutzen zur Orientierung keine Stadtpläne.

Anschließend begann sie dann zu singen. Es war furchtbar! Es war pathetisch! Fremdschämen heißt das, glaube ich.

Mittwoch

Ich beging heute nicht denselben Fehler und ging ganz einfach zu meinen Seminaren. Zuerst "Introduction to Cultural Studies", anschließend "British Drama III". Das war beides sehr gut und meine türkischen Kommilitonen (man beachte das generische Maskulinum!) überschlagen sich geradezu vor Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft (s.o.).
Im Anschluss begaben wir (die Erasmusmenschen) uns per Dolmuş (meine erste Fahrt!) in die Stadt, wo unsere EU-Office-Freiwillige Merve für uns ein Iftar-Menü organisiert hatte. Dieses besteht aus:
•Suppe (mit Brot)
•Salat (mit Brot)
•So ne Art Frühstücksteller (mit Brot)
•Hauptgericht (In meinem Fall: Döner. Mit Joghurt. Und Brot.) Das sah ungefähr so aus:

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•Nachtisch (In meinem Fall: Was Faseriges, triefend Süßes, dessen Namen ich nicht memoriere. War aber geil!)

Das alles kann man vielleicht essen, wenn man den ganzen Tag gefastet hat. Ich hatte das…nicht. Trotzdem gab ich mein Bestes, vor allem bei dem Döner, aber es hatte ja keinen Sinn… Bei unserer Wette, wer am meisten Gewicht zulegen wird, habe ich jedenfalls gute Chancen auf den Gewinn.
Das anschließende Biertrinken habe ich boykottiert, weil ich für ein großes Bier keine 8YTL (5 Euro!!!) bezahle. Ich bin doch nicht auf dem Oktoberfest hier;-) Stattdessen habe ich mir von Kris (polnisch; ich stecke Menschen doch so gern in ethnische Schubladen) Bier aufdrängen lassen und zum Dank das Thema „Sodomie“ eröffnet. Was gibt es Erbaulicheres?

Donnerstag

„British Prose and Poetry“ war schnell vorbei und als ich anschließend versuchte, die „Norton Anthology of British Literature“ in der nicht ganz so gut sortierten Bibliothek zu finden, holte ich mir Hilfe bei einer ehemaligen Erasmusstudentin (in Finnland), die in meinem Department studiert und die zufällig da rumstand. Nach erfolgreicher Suche und Kopiererei gingen wir einen Tee trinken und ich fand großartigerweise heraus, dass sie einen zumindest ähnlichen Musikgeschmack wie ich hat. So konnte sie mir von allen Festivals erzählen und von verschiedenen türkischen Metalbands. Allerdings hab ich mir nur „Karakedi“ („schwarze Katze“) gemerkt. Zusammen mit Kenan, der Research Assistant im Department ist, fuhren wir anschließend ins Armada Einkaufszentrum, nein! Shopping Mall. Dort gibt es das gute Mado-Eis zu kaufen, was wohl besonders türkisch, aber auf jeden Fall besonders gut ist. Besonders wenn man seine Portion Schokoladen- und Pistazieneis noch mit Schokoladensoße, ähem, beträufelt (= überschüttet). Anschließend durften wir Kenan noch beim Shoppen beobachten, was besonders spaßig war.

Freitag

Ein weiteres Highlight unserer Orientierungswoche: Alle Sehenswürdigkeiten Ankaras an einem Vor- und einem Nachmittag!
9-12 Uhr: Atatürks Mausoleum (auf Türkisch: Anıtkabir). Hauptsächlich groß. Böse Zungen würden den Baustil wohl als nationalsozialistisch oder schlicht größenwahnsinnig bezeichnen. Aber macht euch selbst ein Bild:

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Der Mann im Anzug war übrigens unser Guide - und nicht etwa der Security Guard.

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Ob sie das jeden Tag machen? Nun, ich nehme es an..

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Ich habe auf das stupide Foto von mir und dem Wachmann, der nicht lächeln darf, verzichtet...

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Hier weine ich um Atatürk. Ich habe gehört, das sei so üblich...

Unser Führer (*räusper*) war jedenfalls von der schlichten Großartigkeit seines Arbeitsplatzes überzeugt und brüllte uns die Informationen mit stolzgeschwellter Brust entgegen. Den Sarkophag selber kann man übrigens gar nicht sehen. Jedenfalls nicht live. Aber man sieht eine Live-Video-Übertragung aus der Gruft. Um Atatürk (fachmännisch einbalsamiert) herum stehen 42 goldene Gefäße mit Erde aus 42 Regionen der Türkei. Außerdem ist 42 Atatürks Schuhgröße. Im dazugehörigen Independence War Museum bekamen wir einen kleinen Eindruck von türkischem Patriotismus: „Atatürk befahl seinen Männern zu sterben und sie taten es für ihn und für die Freiheit.“ „Die Flagge eines Landes steht für seine Freiheit. Atatürk fand auf dem Schlachtfeld einen toten Soldaten, der die türkische Flagge so fest in seiner Hand umklammert hielt, dass sie selbst nach seinem Tod nicht den Boden berührte. Das war das erste und einzige Mal, das Atatürk weinte.“ Dazu wunderbar realistisch nachgebaute Schlachtfelder (von Gallipoli und sonstwo) und weitere Kriegsanekdoten in diesem Stil. Weiter ging es ins Atatürk-Museum, wo wir nicht nur Atatürks goldene Streichholzschachtel („It’s priceless.“), sein Besteck, sein Notizbuch, seine Uhr, seine Hosen („He was very modern“), seine Rudermaschine und seinen ausgestopften Hund („Fox“) bewundern durften, sondern auch seine Bibliothek, die aus zweitausenddreihundertirgendwas Büchern besteht, die er alle persönlich gelesen und studiert hat (aufgeschlagene Bücher mit Unterstreichungen belegen das). Unter diesen viertausendsechshundertirgendwas Büchern befinden sich ein 20-bändiges Juralexikon und eine mindestens tausendseitige Einführung in die Geschichte Neuseelands. Nun ja.
Derart mit zügelloser und vollkommen kritikfreier Verehrung für den Vater der Türken und auch mit einer gewissen Kriegsbegeisterung aufgeladen erwies sich der Besuch des Museums der Anatolischen Zivilisationen als eher dröge. Ich hab also ein Foto von Hakenkreuzen gemacht:

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Bevor hier irgendwer irgendwas kommentiert: Ich weiß sehr wohl, dass eine Swastika oder indisches Sonnenrad wenig mit dem NS-Symbol zu tun hat.
Jedenfalls war es kein Wunder, dass wir Hanna dort vergessen haben, die als einzige ernsthaft interessiert war. Wir anderen weniger Interessierten jedenfalls zogen es vor, uns in einem nahegelegenen Innenhof mit Gözleme den Bauch vollzuschlagen, um die nötige Energie für den Aufstieg zur Zitadelle aufzunehmen. Doch war jener Aufstieg keineswegs umsonst, denn wir wurden belohnt mit einer wahnwitzig grandiosen Aussicht über eine verdammt noch mal riesengroße Stadt:

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Wahrscheinlich haben sie in diesen Häusern kein wasser - aber eine Satellitenschüssel!

Auch lustig war, dass man dort oben überall ganz leicht runterfallen könnte. Was einen weiteren eklatanten Unterschied zwischen Deutschland und der Türkei darstellt. So weit jedenfalls ging es überall runter:

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Nach einer kurzen Phase der Regeneration hatten Indie und ich einen sehr amüsanten kleinen Abend. Und der ging so:

Schon die Anreise zur Party bereitete uns größte Freuden. Wir wechselten uns mit den Entscheidungen die Route betreffend ab (Wo steigen wir aus dem Bus aus? In welche Richtung gehen wir? Sollten wir nicht langsam wirklich mal jemanden fragen?) und brauchten eineinhalb spaßige Stunden, bis wir die große „Hacettepe University Hit Open Party“ gefunden hatten, die, wie sich herausstellte, nicht ganz so groß war. Außerdem war keiner der Deutschen gekommen, die waren nämlich alle zu müde. Versager! Dafür waren die Franzosen und Polen gut in Stimmung und niemandem schien es etwas auszumachen, dass a) sonst niemand tanzte und b) die Musik wirklich ganz großer Mist war. Es handelte sich um Techno der übelsten Sorte (zumindest soweit ich das beurteilen kann). Als ich mir etwas wünschen wollte, wurde mir von den hochgradig arroganten DJ-Assistenten (der DJ selbst war wohl zu sehr in seine Kunst vertieft) mitgeteilt, dass das ja wohl nicht ginge, man hätte eine feste DJ-Setlist. Aaaah ha. Wozu, fragte ich mich, braucht eine Party dann einen DJ? Die Musik (eher: das Gedröhn) könnte ebensogut vom Band kommen. Da ich somit nicht auf konstruktivem Wege die Musik (besser: das Geräusch) verbessern konnte, hielt ich mich an Plan B, der besagte, mir die Musik (oder: den Krach) schön zu saufen. Das klappte auch in Ansätzen ganz gut und ich war so nett zu dem Barkeeper, dass er mir das vierte Efes geschenkt hat (war sein Name vielleicht Ramazan?!). Könnte allerdings neben meiner Nettigkeit auch an der hohen Frequenz meiner Bierbestellungen gelegen haben…Gegen 2 Uhr wollten die Franzosen dann gehen, oder sie mussten, keine Ahnung, jedenfalls sind alle, die auf dem Beytepe Campus wohnen, gegangen. Ätsch! Die Polen, Indie und ich verließen ebenfalls den Ort der grausamen Musik, um uns zu einer Hausparty zu begeben. Auf dem Weg zum Auto der Türken, die uns dorthin eingeladen hatten, traf ich doch tatsächlich in dieser großen Stadt Kenan und Esra (vielleicht heißt sie so), mit denen ich Donnerstag in der Shopping Mall war. Wir jedenfalls sind mit 2 Autos zu dieser Wohnung, was ein Abenteuer war, weil wir in eine Polizeikontrolle gerieten und unser Fahrer leider 2 Wodka getrunken hatte. Never mind, sie tauschten einfach Fahrer und alles ward gut. In der Wohnung angekommen, stellte sich heraus, dass die Party darin bestand, möglichst leise zu sein, weil der Vermieter nebenan schlief. Die Polen haben sich nicht wirklich dran gehalten und hatten dann auch noch den tollen Plan, eine Flasche Wodka zu besorgen. Leider war ich auch bereits so betrunken, dass ich mich nicht wirklich wehrte, als mir ebenjener Wodka angeboten wurde. Doch auch die Polen verabschiedeten sich gegen 3 Uhr und ließen uns mit zwei Türken alleine (Namen sind Schall und Rauch!), die mit uns pokern wollten und uns zu diesem Zweck fragten, ob wir etwas dagegen hätten, wenn sie ihre Hosen ausziehen würden. Kein Scherz! So spielten wir also mit zwei Türken in ihren Boxershorts Poker, allerdings ohne Geld oder Chips, was das Ganze irgendwie etwas witzlos machte. Gegen 5 Uhr fiel uns auf, dass es doch eigentlich schon recht spät sei und so verließen wir die trotz Übernachtungsangebot den Ort des Geschehens, um uns mittels unserer Gehwerkzeuge nach Hause zu manövrieren, was uns abgesehen von der schieren Länge des Weges und der damit verbundenen Anstrengung keine besonderen Probleme bereitete. Es war, wie gesagt, hell, als wir in unserem Stadtteil ankamen und uns noch einige Sesamringe fürs Frühstück mitnahmen. Ein schöner Abend!

Samstag

Grauenhafter Schmerz. Peinigender Schmerz. Kopfschmerz. Um 12 Uhr erwachte ich mit dem Gefühl, mein Schädel wolle explodieren. Dazu war mir übel. Etwa 2 Stunden warf ich mich hin und her und versuchte mein Hirn mit Jan Tenner-Folgen zu beruhigen, aber es hatte keinen Sinn. Schließlich entschied ich mich für die orale Absonderung meines Mageninhalts und des darin offensichtlich noch immer befindlichen Nervengiftes. Eine gute Entscheidung! Ich schlief friedlich weiter bis halb fünf. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, das Haus zu putzen, zu frühstücken, zu Abend zu essen und nichts zu tun.. Tayfun hatte leider die schlechte Idee, sich "Hostel 2" anzusehen. Während ich vor meinem Laptop saß und diesen Beitrag tippte, hörte ich aus den Boxen seines PCs Schmerzensschreie und Hilferufe von Menschen, die gerade gegessen werden o.ä. ARGL!

Sonntag

Nach einem gemütlichen Frühstück (das heute den Namen FRÜHstück tatsächlich verdiente) machten sich Indie und ich auf nach Ulus, wo wir uns je einen Schrank besorgten. Wenn man findet, dass eine Konstruktion aus Spanplatten, Eisenstangen und Stoffbezug den Namen „Schrank“ verdient. Ich finde schon… Nachdem wir unsere Errungenschaften recht mühselig nach Hause befördert hatten, begann das Spannendste – der Aufbau! Leider hatten wir es mit Produkten einer Prä-Ikea-Entwicklungsstufe zu tun, was uns zu einiger Improvisation zwang, doch am Ende triumphierten wir über die mangelhafte Konstruktion. Ehrlicherweise muss ich an dieser Stelle jedoch darauf hinweisen, dass es mir ohne Tayfuns Hilfe wohl nicht geglückt wäre. Was soll ich sagen? Mir fehlt wohl einfach im Hirn ein Schaltkreis, mit dem andere Menschen solche Probleme lösen…
Den Abend verbrachten wir mit der Zubereitung und Aufnahme von Nahrung und dem Konsum eines wirklich extrem schlechten Films namens „Ich, du und der andere“. Aber es kann ja nicht immer ein postmoderner britischer Roman sein, hm?
Und hiermit beende ich meinen Rapport, denn ich bin in der Gegenwart angekommen. Morgen hab ich frei, werde aber mit Indie zu ihrer Uni fahren, weil deren Bibliothek besser ist als unsere, und nach einigem Lesewerk Ausschau halten.
Auf bald, ihr alle!

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Sonntag, 23. September 2007
25.-31. Tag (Montag, 17.9.-Sonntag, 23.9.)
Montag

Hier einige Fotos von dem Studentenwohnheim, von dem ich euch gleich verraten kann, dass ich dort NICHT mehr wohne;-)))

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Das wäre mein Zimmer gewesen!

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Das wäre meine Küche gewesen!

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Und das mein Badezimmer!

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Und das mein Garten!
Ne, nur Spaß, das ist nämlich der Garten der neuen Wohnheime im Hintergrund. Es geht das Gerücht, die hätten dort verschiedenfarbig gestrichene Einzelappartements mit richtigen Teppichen auf den Böden!

Jedoch verbrachte ich eine erste und einzige Nacht dort. Schließlich wollte ich wissen, welcher Fun mir da entgeht;-)

Die Nacht sieht hier übrigens ungefähr so aus:

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Was die von der Wohnheimzimmerplatzzuteilungsstelle (so tolle Wörter gibt's wirklich nur auf Deutsch!) ganz clever gemacht haben: Alle deutschen Erasmusstudentinnen steckten sie zusammen auf einen Flur. Damit unter allen Umständen verhindert werden kann, dass dort irgend jemand Türkisch lernt oder kulturellen Austausch betreibt! Wie hieß das noch gleich? Parallelgesellschaft! Abgrenzung von der Leitkultur! Mangelhafte Integration!

Dienstag

Früh aufgestanden und frischweg hineingestürzt in türkische Uni-Bürokratie! Welche ein ganz großer Spaß ist. Besonders wenn sie auf einem Campus statt findet, der ungefähr so groß ist wie das Saarland. Um euch mal einige seriöse Vergleiche zu erlauben: Ich legte die Strecke von der EF50 bis zum Hauert (für die Dortmunder unter euch)/ von GB bis zur U35 (für die Bochumer unter euch)/ von etwas in eurer Nähe bis zu etwas SEHR SEHR WEIT WEG von euch (für alle anderen) ungefähr 5 mal zurück. Vielleicht auch öfter. Nur weil der rechte Zeh nicht weiß, welches Formular das linke Ohr braucht (um die Bürokratie der Hacettepe Uni mal metaphorisch als einen Körper mit Störungen im zentralen Nervensystem darzustellen). Man kann aber nicht sagen, dass nicht alle furchtbar nett gewesen wären. Besonders in meinem Fachbereich, welcher auf Türkisch so heißt:

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(sehr wörtlich: "Abteilung für Englische Sprache und Literatur")

Die übergeordnete universitäre Organisationseinheit heißt übrigens so:

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("Fakultät für Literatur")

Während der Campus durchaus eine schöne Bepflanzung aufweist, kann man das Adjektiv "schön" nicht unbedingt auch in einem Atemzug mit der Architektur nennen. Hier zwei Beispiele:

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Das unvermeidliche Atatürk-Denkmal...

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...und etwas, das mich stark an die Architektur der Ruhr-Uni erinnert und offenbar so etwas wie das Audimax ist.

Nachdem ich mich so bravourös geschlagen hatte, packte ich schnell einige schwere Dinge zusammen, auf dass ich diese bei meinem zu diesem Zeitpunkt stark herbeigewünschten morgigen endgültigen Umzug nicht mehr tragen müsste. So reiste ich mit Bus und Ankaray (so heißt hier eine U-Bahn-Linie) nach Dikimevi, einer der Endhaltestellen. Dort erwartete mich Indie und die Wiedersehensfreude war groß. Ins Unermessliche steigerte sich jedoch meine Freude, als sich vor meinen staunenden Augen der Anblick folgender Wohnung darbot:

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Das Wohnzimmer! Unser Wohnzimmer! Mein Wohnzimmer:-)))

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Küche...

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...Flur...

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...und Badezimmer!

Auch das ist natürlich nur ein Scherz. Das ist das Gästeklo. Das Badezimmer sieht so aus:

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Nicht im Bild: Ein ganz großartiges modernes Sitzklo. "Ein Traum!", wie manch einer sagen würde;-)

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Der Blick von dem einen...

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...und von unserem anderen Balkon (wir haben nämlich 2!). Hier mit meiner frisch gewaschenen Wäsche!

Um den Bogen bis ins Unerträgliche zu spannen, zeige ich euch das Wichtigste - MEIN Zimmer - erst weiter unten, nämlich so, wie ich es schließlich eingerichtet habe:-))

Last but not least hat meine neue WG neben Indie und mir noch einen dritten Bewohner: Tayfun, ein 25-jähriger Türke ohne nennenswerte Englischkenntnisse (er lernt aber fleißig!), dafür aber mit umso virtuoseren Fähigkeiten am Klavier und am Herd!

Sogleich fand sich aber die frisch gebackene WG zusammen, um ihr erstes gemeinsames Mahl zuzubereiten. Es gab Pilze und die schmeckten ganz vorzüglich.

Den Abend verbrachten wir einträglich bei Tee und W-Lan. Schließlich war es so spät, dass an eine Rückfahrt zur Uni nicht mehr zu denken war. Und ich wollte auch gar nicht. Schließlich hatte ich ein Bett und ein Kopfkissen und eine Bettdecke und was braucht der Mensch mehr zum Glück?

Mittwoch

Uni-Bürokratie, zweite Runde!

Anschließend genoss ich für einige letzte Stunden die Wohnheimatmosphäre, bevor ich ich der Kühle des Abends aufbrach in Richtung meines neuen Zuhauses, welches ich mir von heute an nur mit Tayfun teilte, denn Indie war aufgebrochen nach Gaziantep, irgendwo fern im Süden. Und obwohl auch ich Pläne gehegt hatte, meine Urlaubstage am Meer zu verbringen, war mir der Aufwand dann doch zu groß. Viel lieber wollte ich die Zeit bis Sonntag in unserem saubequemen Sessel verbringen, lesen, Türkisch lernen, im Internet herumhängen, Filme gucken, Musik hören und so sehr gar nichts tun, wie ich noch nie gar nichts getan hatte. Und so sollte es geschehen, und zwar

Donnerstag - Sonntag.

Allerdings habe ich die Zeit nicht ganz sinnlos verstreichen lassen. Unter anderem wienerte ich gleich einem Putzteufel die ganze Wohnung und räumte mein Zimmer ein, das ich euch fotographisch nun hier präsentieren möchte:

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Wohnlich, nicht wahr?

Außerdem stellte ich mir einen ganz famosen kleinen Stundenplan zusammen, welcher mich an ganzen drei Tagen an die Uni zwingt (Dienstag, Mittwoch, Donnerstag) und mir demzufolge ein sage und schreibe 4-tägiges Wochenende lässt. Das hab ich zu Hause noch nie geschafft. Nicht mal einen Tag frei hatte ich je. Freude! Große Freude!

Darüber hinaus las ich den ersten von mindestens fünf postmodernen britischen Romanen, die wir in einem meiner Seminare besprechen. Ziemlich pornographisch, ich find's gut!

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Ein bunter Bilderstrauß, welcher von der Reise mit meinem persönlichen Orientexpress zeugt.
Am morgen des 17. Septembers, um 10 Uhr Ortszeit, nahm ich den Başkent Express von Istanbul Haydarpaşa nach Ankara Hauptbahnhof. Goodbye, schönes Istanbul, hallo, aufregendes Ankara!

Wem ich es noch nicht geschrieben oder erzählt habe: Ich mag Zugfahren in Deutschland - aber ich LIEBE es in der Türkei! Wer von euch dachte, dass mich für meine 20 Lira ein rostiger Viehtransporter erwarten würde, der hat sich getäuscht! Seht her:

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Denn tatsächlich reiste ich im komfortablen Fernreisezug mit allen Annehmlichkeiten (ergonomisch anpassbarer Einzelsitzplatz mit Steckdose und herunterklappbarem Tischchen; herunterklappbare Tischchen rocken!!) und Panoramafenster, hinter dem eine zunächst idyllische und schließlich mehr und mehr bizarr anmutende Landschaft vorüberzog. Hier die Metamorphose in Bildern:

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Die ersten paar Dutzend Kilometer erstreckte sich vor meinen staunenden Augen das mehr als blaue Marmarameer in all seiner schiffbaren Pracht.

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Anschließend geruhte die Landschaft, obige waldig-steinige Hügel zu offenbaren.

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Doch mehr und mehr wich das Grün einem Grau-Braun-Gelb mit einigen, dem Boden durch Bewässerung abgerungenen Grünstreifen.

Und das so lange, bis irgendwann gar kein Grün mehr zu sehen war und sich mir das Bild eines Klasse K-Planeten (wie z.B. Mars) darbot:

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Hier noch zwei Highlights:

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Eine Pyramide!

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Ein türkischer Halbmond. AUF dem Hügel drauf! Wie nationalistisch kann man eigentlich sein?!

Am Ende meiner Fahrt, die ich mit dem Anschauen von "The Fast and the Furious" (Vin Diesel ist meine neue Vaterfigur), Tippen von vorherigen Blogeinträgen und Beeindruckt-aus-dem-Fenster-starren verbrachte, kam ich mit nur einer halben Stunde Verspätung nach 7 Stunden in Ankara an und wurde plangemäß von Merve, einer Biostudentin und Freiwilligen des EU Office abgeholt, die ein Schild hoch hielt, auf dem mein Name stand. So wollte ich schon immer mal an einem Bahnhof erwartet werden! Ein Traum ging in Erfüllung. Kann ich jetzt auf meiner "Was ich erlebt haben muss, bevor ich sterbe"-Liste abhaken! YES!

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Donnerstag, 20. September 2007
15.-24. Tag (Freitag, 7.9.-Sonntag, 16.9.)
Wochenende
Siehe Bildergeschichte im vorletzten Beitrag..

Hier kommt ein kleiner Hinweis: Die Schlaumeier unter euch werden feststellen, dass ich euch nicht mehr von jedem einzelnen Tag berichte. Das kommt daher, dass es Tage gibt, an denen einfach nichts geschieht. Nehmen wir z.B. den Montag dieser Woche. Da hab ich Wäsche gewaschen und 3 Stunden geschlafen. Nix von dem man große Geschichten erzählen könnte. Obwohl ich natürlich im Schlaf wie immer so einiges erlebt habe. Die Details meiner psychologisch und pathologisch hoch interessanten Träume verrate ich gerne auf Anfrage;-)

Dienstag

Heute hat Indie die „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte gezogen und darf somit nach Ankara umziehen. Aus diesem Anlass teilte ich schwesterlich meine letzten Alkoholreserven und begab mich leicht beschwipst zusammen mit ihr und einigen anderen Insassen auf Freigang. Unser Ausflug führte uns zum wiederholten Male in die Coffee World, wo ich folgendes zu mir nahm:


Yummie!

Um diesem Schokoladenschock mit Bewegung entgegenzuwirken, erklommen wir anschließend den Berg rauf zum Taksim Square, wo wir uns mitten in einem Open Air Konzert spanischer Musik wiederfanden. Nachdem uns das zu langweilig geworden war, liefen wir noch etwas planlos durch Beyoglu, bis ich Kopfschmerzen bekam und mit Paulien nach Hause gefahren bin.

Mittwoch

Endlich habe ich heute jemanden dazu bewegen können, mit mir ins Kino zu gehen. Das stellte sich auch deshalb als feiner Plan heraus, weil es in Strömen goss. Mein Filmwunsch setzte sich durch – wir sahen „Becoming Jane“, die Jane Austen-Bio, natürlich im englischen Original mit türkischen Untertiteln. Aufgrund des Jane Austen-Englisch wird uns und mit uns wahrscheinlich auch so manchem türkischen Kinogänger ein Großteil des Witzes dieses Films für immer unverständlich bleiben, oder zumindest so lange, bis wir uns den Film noch mal auf Deutsch oder zumindest mit deutschen Untertiteln ansehen. Nichtsdestotrotz war es ein ganz wunderbar kitschiger Weiberfilm mit allem, was man von dieser Art Film erwartet: Tanzbälle, pompöse Picknicks, seltsame Kleider und grooooße Gefühle.

Donnerstag

Heute hab ich es offiziell gemacht und mir eine Fahrkarte von Istanbul Haydarpaşa nach Ankara (immerhin ca. 600km) für unbegreifliche 20YTL gekauft. Schicker Bahnhof!



Was jedoch noch schicker war, das war der Sonnenuntergang, den ich auf der Rückfahrt vom Bahnhof (ja, auch dafür muss man in Istanbul eine Fähre benutzen..) bestaunen durfte.







Freitag



Nach dem letzten und gar nicht tränenreichen Tag im Fremdsprachenzentrum der Istanbul Üniversitesi (s.o.) gab es auch noch einen letzten Ausflug, der uns dieses Mal in die Hagia Sophia führte. Auch die habe ich schon gesehen, aber für lau habe ich es gerne noch einmal getan. Auch hier einige Fotos für diejenigen, die ich noch nie dazu gezwungen habe, mein Istanbul-Fotoalbum anzusehen und für alle, die nicht genug bekommen können von byzantinischen Kirchen/ osmanischen Moscheen/ großen und schönen Gebäuden:

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Hier darf sich Magda gerade was wünschen!

Die große Erasmus Istanbul Magic Abschiedsparty stieg in der wohl bekannten und erprobten Ritim Bar, beziehungsweise auf deren Dach, wo wir uns im Takt der Musik wiegten und das Efes unsere Kehlen hinunterrann. Ich hatte deren 5, was bei einer Glasgröße von 0,5l und einer nicht unerheblichen Außentemperatur seine Wirkung nicht verfehlte. Zwar war nicht wirklich viel Platz zum Dancen, trotzdem schmissen wir keine Möbel aus den Fenstern (die sowieso nicht vorhanden waren, es war ja eine Dachterrasse), die Möbel wurden ganz einfach diskret bei Seite geräumt. Wie dem auch sei: Ich verbrachte einen recht beschwingten Abend. Er war jedoch nicht ganz so beschwingt wie der einiger bulgarischer (?) Studentinnen, die sich pfingstochsengleich aufgetakelt hatten und gleich je mehreren Holländern, Belgiern, Deutschen und was der Erasmusländer mehr sind, wie Vampire am Hals hingen. Aber auch einer unserer deutschen Jungs ergriff die Initiative und versuchte sein Glück bei einer seiner Erasmus-Kommilitoninnen, was doch eine sehr seltsame Konstellation ergab. Konsequenterweise wurde er abgewiesen. Der Sprachkurs hat im Übrigen genau ein Pärchen hervorgebracht: ein deutsch-französisches. Wobei es sich um einen männlichen Deutschen und eine weibliche Französin handelt. Sollte es noch mehr gegeben haben, war das jedenfalls nicht offensichtlich.
Der Abend neigte sich dem Ende entgegen und ich nahm die Einladung, bei einer praktischerweise in Beyoglu wohnhaften Sprachkurs-Kommilitonin übernachten zu können, gerne an. In dieser Wohnung erwartete mich noch eine weitere freudige Überraschung – die haben eine Katze!!! Gleich fing ich mir mehrere blutige Kratzer ein, hatte aber viel Spaß mit dem gelangweilten und Streichel- wie Spieleinheiten benötigenden Tier. Hätte Sabine sie gelassen, hätte die Katze wahrscheinlich die Nacht auf meinen Füßen verbracht. Wäre das schön gewesen…

Samstag

Nach einem ganz heimeligen Frühstück brachen Sabine, Valérie und ich auf nach Bakirköy, wo allsamstäglich ein Markt statt findet, auf dem H&M- sowie andere Markendinge, die in der Türkei hergestellt werden, für sehr billig verkauft werden. Als wir da ankamen, wollte ich am liebsten direkt wieder gehen. Ich sollte langsam wirklich wissen, dass ich Shopping nicht mag. So lief ich denn ebenso missmutig wie meine Begleiterinnen euphorisch durch nicht enden wollende T-Shirt-Hügel, Schalberge, Hosenhochebenen, Uhrenpyramiden, Unterwäscheplateaus, Sockenalmen und Schuhtempel. Am Ende rang ich mich dann aber doch dazu durch, in das Aldi-am-Montag-um-9-Uhr-wenn-es-Kinderschuhe-gibt-Gewühl einzustimmen und ergatterte 2 Oberteile, das eine für 3,50YTL, das andere für sagenhafte und lächerliche 1YTL. Das sind 70 Cent für etwas, das bei H&M 10 Euro kostet! Das gleiche T-Shirt, ohne irgendwelche Fehler, sogar das Größenschildchen war richtig, zu weniger als einem Zehntel des Preises (alle Mathematiker, die das lesen, mögen mir meine grobe Ungenauigkeit vergeben). Irgendwas kann da nicht stimmen..Jedenfalls war ich nun einigermaßen zufrieden und der anschließende Gözleme (eine Art Pfannkuchen) befriedigte und stärkte mich für die Rückreise, die erneut über eine Stunde (stehend) in Anspruch nahm. Nur die Aussicht auf ein Theaterstück, dass es abends in Taksim zu sehen geben sollte, hielt mich wach. Es stellte sich aber dann heraus, das niemand wusste, wo dieses Stück genau gegeben werden sollte und so irrten wir herum und suchten und suchten und meine Ungeduld wie meine Kopf- und Gliederschmerzen (schließlich hatte ich die Nacht auf dem Boden verbracht) nahmen soweit zu, dass der Anblick einer blutüberströmten überfahrenen Katze mich schließlich dazu brachten, das Handtuch zu werfen und den Heimweg anzutreten. Soweit mir bekannt ist, haben sie das Theater nicht gefunden. Nach einem Last Supper mit Paulien (es gab Tee und Kekse) fiel ich todmüde ins Bett und schlief und schlief und schlief, bis…

Sonntag

…ich brutal geweckt wurde von dem Gequatsche zweier Polinnen (oder waren es Italienerinnen?), die irgendwas von Paulien wollten.
Hernach war es aber auch sowieso an der Zeit, mich aus den Federn (oder besser besagt, vom Feldbett, von der Pritsche, von meinem...Lager) zu erheben und das last breakfast mit unserer schon um Indie geschrumpften kleinen Familie aus Zimmer Nummer 100 zu zelebrieren. Nachdem wir uns gegenseitig den Teesatz gelesen hatten, brachten wir Sandra zur Metrostation, auf dass sie sicher zum Flughafen käme und das Flugzeug sie sicher nach Izmir brächte.
Anschließend bekam ich im Gefängnis Besuch - Outi beehrte uns und half mir packen. Das war ein Segen, denn unter ihrem strengen Blick gelang es mir, einige meiner schlimmsten Sachen einfach hinfortzuwerfen. Auf diese Art stark reduziert, schaffte ich es tatsächlich, alles Gepäck in meinem Rucksack zu verstauen. Kurz vor Sonnenuntergang brachen wir auf, ein letztes Mal das Fastenbrechen in Sultanahmet zu erleben. Hernach bekam ich nach 3 Wochen Istanbul nun endlich auch Gelegenheit, mal wieder die Nargile zu rauchen. Dazu begaben wir (mittlerweile noch um Hannes bereichert) uns in ein sehr hübsches Café, wo man uns leider beständig ignorierte. Schließlich bekamen wir aber doch noch unseren Apfeltabak und unsere Kohle und verbrachten einen lauschigen Abend mit leicht gestörter Kommunikation (Details auf Anfrage).
Gegen Mitternacht wollte man aufbrechen, die letzte Fähre dräute und ich ließ es mir nicht nehmen, meine Kumpane auf dieser meiner vorerst vorletzten Fährfahrt auf Istanbuler Gewässern zu begleiten. Herzergreifende Abschiedsszenen schlossen sich an und ganz ergriffen, auch von einer Geistererscheinung (auch hier Details auf Anfrage) fuhr ich, nunmehr allein, wieder zurück und musste mich sehr beeilen, die letzte Straßenbahn zu erwischen. Mit Hilfe eines wahrlich Türen öffnenden türkischen Satzes, den ich aus den hinterletzten Ecken meines linguistischen Gedächtnisses kramte, ließ der Eunuch mich herein und ich konnte meine letzte Nacht im Gefängnis antreten, das ich so sehr ins Herz geschlossen hatte!

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Freitag, 14. September 2007
Neues von Ramazan
İch muss euch schnelle das Neueste von meinem Gemüsehaendler (Ramazan sein Name) erzaehlen: Gestern wollte ich mal wieder Trauben kaufen (KAUFEN!). Die hat Ramazan dann auf die Waage gestellt und gewogen. İch: 'Ne kadar?' (Was kostet das?). Er: '[unverstaendliches türkisches wort] kadar' (soundso kostet das). Weil ich halt nicht verstanden hatte, was er nach 'das kostet...' gesagt hat, versuchte ich, dieses wort zu wiederholen und nachzufragen, was es bedeutet. Das geht auf türkisch so: '[unverstaendliches türkisches Wort] ne demek?' ('Was bedeutet das?') Und darauf er: 'Seni seviyorum demek!' ('Das bedeutet İch liebe dich!') Da ich mit meinen meisterlichen Türkischkenntnissen natürlich sofort durchschaute, was er da von sich gab, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und musste laut losprusten! Ein mindestens 60-jaehriger türkischer Gemüsehaendler mit schwarzen Zaehnen sagt mir, dass er mich liebt. Wie schön! İch überlege ernsthaft, ob ich hier in İstanbul bleiben und ihn heiraten soll. Schliesslich haette ich für den Rest meines Lebens Obst umsonst! İch haette ausgesorgt! Waere das nicht grossartig? Dann muss ich nicht mehr studieren, mir einen Job suchen...İch könnte einfach warten, bis mein Ramazan von mir geht und mir sein Gemüseimperium vererbt!!!

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Sonntag, 9. September 2007
Fotos von einem mehr als grossartigen Wochenende in İstanbul!

Eure treue Bloggerin nach ihrem Gang durch die Zauberkugel und vor dem TOOL-Konzert.


Eines der wenigen Bilder, die ich machen durfte, bevor mir schlimme Dinge angedroht wurden.


Ohne euch neidisch machen zu wollen - die Aussicht von der Kuruçeşme Arena auf den naechtlichen Bosporus.


Man kann es erahnen - das Taxi kaempft sich seinen Weg durch die biblischen Fluten.


Eure treue Bloggerin, NACHDEM sie durch den Wolkenbruch gegangen war und die Frisur trotz Dreiwettertaft saemtlichen Zusammenhalt verloren hatte. Ausserdem zu sehen: 'Vera Bar & Restaurant'


Meine Wenigkeit, Katharina, Nelly und İndie auf dem Heimweg ins Gefaengnis.


Am anderen morgen - mein 1. türkisches Früstück.


Outi und İndie auf unserem verschlungenen Weg von Taksim nach Kabataş.


Katzen. Viele.


Pures Hüftgold! Man bemerke das Zartbitterschokoladenröllchen! Nix da blöde Eiswaffel!


Hier spiegele ich mich.....


.....in dieser Schokoladenfontaene!! İch liebe Kahve Dünyası (Kaffeewelt; eigentlich solle es aber wohl Schokoladenwelt heissen) bereits jetzt. Vielleicht wird das mit dem Man's Health-Fotoshooting also doch nichts:-( Das Schlimme ist - es ist nicht mal teuer!!!


Maenner am Herd. Fortschrittliche İstanbuler Freunde von Freunden von İndie, die uns nachfolgendes unfassbar geiles türkisches Früstück zubereiten:


Man beachte die türkische Teekannenkonstruktion, aus der Tee wirklich genial schmeckt. Wenn man weiss, wie man dieses Monstrum bedient (ne, Thomas?!;-)). Man beachte überdies am linken unteren Rand den Honig - mit ganzen Waben drin!


İndustrieromantik im santralistanbul (ehemaliges osmanisches Kraftwerk, nun Museum für Gegenwartskunst und Ausstellungsort der Biennale). Das verschafft Heimweh nach dem Ruhrgebiet!



İch habe sie gefunden! Die Zauberkugel!


Ein weiterer Sonnenuntergang - diesmal über der Atatürk-Brücke.

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Mittwoch, 5. September 2007
9.-14. Tag (Samstag, 1.9.-Donnerstag, 6.9.)
Samstag

Es sollte eine ganz tolle Sause werden. Wir wollten uns wie 14-jährige benehmen, Wein und Bier ins Wohnheim schmuggeln (selbstverständlich verbotenerweise) und uns betrinken. Unser durchaus zu würdigender Ansatz endete allerdings weniger spektakulär. Der Wein für 3 Lira war tatsächlich von einer außerordentlichen “low quality” (so bereits der Verkäufer). Ich sollte es frank und frei heraus sagen: Er roch nach Kotze und schmeckte wie Essig. Mir war das nun egal, es gibt ja Bier und das schmeckt sowieso besser. Mit dieser Meinung jedoch blieb ich in einem Haufen Mädchen leider ziemlich alleine. Also trank ich eine angemessene Menge Bier, führte Loriots “Weihnachten bei Hoppenstedts” auf meinem Laptop vor und machte noch einige Drunken Calls nach Hause, bevor ich schließlich ins Bett taumelte.

Sonntag

Nachdem der Tag aus wenig mehr als einigen kläglichen Versuchen, Türkisch zu lernen, im Internet rumhängen und überhaupt viel rumhängen bestand, rafften wir uns abends noch einmal auf und besuchten zweierlei Moscheen, von denen eine Süleymaniye Moschee heißt und die größte Istanbuls ist. Dort war gerade Gebetszeit und obwohl wir nicht rausgeworfen wurden, fühlten wir uns doch fehl am Platze, so dass wir freiwillig den Teppich räumten.

Montag

Unsere sowieso knapp bemessene Unterrichtszeit wurde heute erneut verknappt, denn wir machten einen recht sinnbefreiten Ausflug zum Topkapi Sarayi. Den hatte ich ja nun letztes Jahr schon gesehen und zwar ohne die Massen an Touristen, die sich heute hindurchwälzten und dafür mit Audioguide. So ganz ohne Erklärung macht es gar keinen Spaß, sich riesige Diamanten anzugucken.. Ich zeig euch trotzdem ein paar Fotos, denn schön ist es ja schon!











Anschließend durfte ich mit Outi den Flair eines türkischen Einkaufsbummels ausprobieren und dabei feststellen, dass meine türkische Größe ganz offensichtlich “3XL” ist. Könnte es etwas Frustrierenderes geben? Ich denke nicht.

Dienstag

Nachdem wir nun endlich auch die Possessivsuffixe gelernt haben, habe ich den Rest des Tages mehr oder weniger mit Outi verbracht, denn die ist heute umgezogen, in ihr Wohnheim irgendwo in Istanbul, was wirklich ein Jammer ist, denn wahrscheinlich kommt sie nun auch nicht mehr zu dem Sprachkurs. Aber wahrscheinlich wird es mir noch mit vielen Menschen hier ergehen, die ich schon wieder verabschieden muss, ohne sie wirklich kennen gelernt zu haben.
Ratet, was ich heute Verrücktes getan habe!! Ich habe mir eine Konzertkarte gekauft, die - ich traue mich kaum, die Zahl hinzuschreiben - 80 YTL gekostet hat. Das sind 160 Simit oder 40 Lahmacun oder ungefähr 500 Brote. Aber ich konnte nicht anders - es ist schließlich TOOL! Außerdem wurde mir schon von mehreren Seiten bestätigt, dass die Kurucesme Arena wirklich ganz toll und atmosphärisch und überhaupt großartig sein soll. Jedenfalls freue ich mich jetzt schon riesig auf Freitag!

Mittwoch

Kurz entschlossen bin ich heute mit dem Bravo-Girl-Holländer nach Kinaliada gefahren (ganz allein, MURRHARRHARR), was sich als großartige Idee rausstellte. Schwimmen, in der Sonne liegen, lesen, langsam eindösen und von Möwengekreische wieder aufgeweckt werden ist wirklich eine der großartigsten Sachen, die man so machen kann. Ich habe den Salzgeschmack immer noch auf den Lippen und erfreue mich daran. Auch die Rückfahrt war mal wieder ein Highlight. Und obwohl ich es mit meiner Kamera wahrscheinlich niemals schaffen werde, den Anblick des nächtlichen Istanbul auch nur einigermaßen naturgetreu einzufangen, sollen euch die folgenden Bilder wenigstens einen winzigen Eindruck verschaffen:


Hach...........


Wenn mir jemand sagen kann, was dieses seltsame runde Ding wohl sein soll, würde ich mich sehr freuen;-)





Donnerstag

Heute früh haben unsere Putzfrauen den Rasen gefegt. Nein, ich habe mich nicht verschrieben und ihr euch nicht verlesen. Das haben sie wirklich! Ich werde die sich aus dieser Tatsache ergebenden Fragen (z.B. Warum ist so etwas nötig? Was bringt das? Warum putzen sie nicht stattdessen unsere Klos?) unbeantwortet lassen.
Außerdem war Waschtag! In unserer seit längerer Zeit kakerlakenarmen, ja eigentlich -freien Dusche fühlte ich mich ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzt, als ich über meinen Bottich gebeugt wusch, wässerte und wrang. Und ich wrang eine Menge! Wenn ich das öfter mache, habe ich bald richtig tolle Muckis! Dazu kommt die Bräune, die sich unaufhaltsam und wie ein Krebsgeschwür auf meiner Haut ausbreitet. Wartet nur ab! Wenn ich wieder komme, will Man’s Health ein Fotoshooting mit mir!
In Istanbul findet zur Zeit so ein Kunstding statt, nämlich das „10th Istanbul Biennial“. Das bedeutet, dass es an jeder Ecke der Stadt Gegenwartskunst zu bewundern gibt. Eure treue Webloggerin – seit der Documenta genauso kunstinteressiert wie kunstkennend (an dieser Stelle noch mal ein großer Dank an Joana!) – ließ es sich da nicht nehmen, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen und sich zu einem dieser Events zu begeben. Es hieß „Nightcomers“, was darauf hindeuten soll, das es nur nachts statt findet. Es geht auch nur nachts, denn es handelt sich um Open Air-Videovorführungen. Jemand aus unserer Gruppe jedenfalls kennt aus irgendeinem Grund einen türkischen Künstler, dessen Videokunst dort auch vertreten sein sollte. War sie im Endeffekt nicht, weil keine Zeit mehr dafür war. Jedenfalls hatten wir somit jemanden, der den Weg zwar auch nicht kannte, aber zumindest in seiner Muttersprache danach fragen konnte. Wir fanden uns schließlich wieder in einem verlassenen Kaufhaus, was an sich schon gruselig und strange wirkte. Tolle Location für einen Horrorfilm..Obwohl es das bei „Dawn of the dead“ ja eigentlich auch schon gab. Wie dem auch immer sei: Im Hof dieses Kaufhauses standen eine Menge sehr künstlerisch aussehende und wie eine verschworene Gemeinschaft wirkende Menschen herum, die des Beginns der Aufführung ihrer oder anderer Werke harrten. Als es schließlich so weit war, erstaunte mich zunächst die Banalität des Gezeigten. Da explodierten Menschen, gar wie in Monty Pythons wunderbarer Welt der Schwerkraft („Herr XY aus YZ kann nicht gesehen werden!“), es gab einen Animationsfilm, bei dem in Egoshooter-Manier für den Sozialismus werbende Plakate abgeschossen wurden und eine recht simple Manipulation an dem Handyvideo von Saddams Hinrichtung: Die „Künstler“ haben schlicht den Kopf von G.W.Bush auf Saddams Kopf drüberkopiert, so dass es aussah, als ob Bush hingerichtet würde. Einzig beeindruckend war das Video von der islamischen Beerdigung, von dem ich später erfahren habe, dass es die Beerdigung einer ehrengemordeten Frau zeigt. Als schließlich eine schlechte Kopie von Charlie Chaplin zu sehen war, die alberne Dinge mit unverständlichen, weil türkischen Untertiteln tat, entschieden wir, dass wir uns genug kulturell betätigt hatten für den Abend. Stattdessen kehrten wir ins Wohnheim zurück und bereiteten Paulines Geburtstag vor, welcher mitternachts beginnen sollte. Wir stellten die selbstgebastelte Karte fertig, versahen den Kuchen mit 24 Kerzen und warteten. Und warteten. Und warteten. Denn sie skypte noch fröhlich mit ihrem boyfriend, den sie nicht so nennen will. Als sie dann endlich kam, war das Hallo und die Freude groß und wir feierten noch bis tief in die Nacht hinein…

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GRRR!
Auf diesem Computer existiert kein Programm, das in der Lage waere, einen mit Works geschriebenen Text zu öffnen. Was ist das für ein Scheiss? İch müsste also hoch in mein Zimmer laufen, meinen PC anmachen, das ganze in ein anderes Format konvertieren und wieder runterlaufen. Was ich nicht tun werde. Allerdings werde ich euch die Fotos schon mal hochladen. Der Kontext muss dann wohl morgen folgen...

Bin ich froh, wenn ich endlich in Ankara meinen eigenen PC habe!!!

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